Verbal gesagt – oder warum man Cordoba nicht essen kann


oesterreichnewsde

Am heutigen Dienstag muss ich aus aktuellem Anlass einen kleinen Exkurs einlegen.

Es folgt daher ein Ausflug in die Reihe: „Fräulein Stern versteht die Männer (oder versucht es zumindest)“

Und zum Auftakt dieser Reihe, wollen wir uns mal der (für Männer) schönsten Nebensache der Welt widmen. Ich meine nicht die eine, von der Männer des Öfteren keine Ahnung haben, sondern die andere, von der wir Frauen oft nicht sehr viel Ahnung haben. Unerschrocken und im Selbstversuch hat Frau Stern es also getan: Sie hat sich (nicht allein, sondern mit zwei besonders guten Freundinnen) ein ganzes Fußballspiel (mit Halbzeit) angeschaut!

Ich hatte das schon länger mal vorgehabt. Ziemlich aktuell war dieser Vorsatz, mal nicht vor der Halbzeit einzuschlafen, als ich kurzzeitig mit meinem Tormann liiert war… diese Affäre hat dann aber doch nicht so lang gehalten, als dass ich den Vorsatz in die Tat hätte umsetzen können, aber das wäre jetzt wieder eine andere Geschichte.

Am letzten Freitag aber ergab sich die Gelegenheit, diesen Punkt meiner To-Do-Liste abzuhaken. In Ermangelung an Dates oder sonstigen freitäglichen Aktivitäten kam die Einladung meiner lieben Freundin C. zwar überraschend, aber gerade recht: „Sternderl, magst heute Fußballschauen kommen? Österreich gegen Deutschland, die T. kommt auch.“

Der Vorschlag klang nach … einem Plan im weitesten Sinne, einem Plan, dem Mysterium Fußball und damit auch dem Mysterium Mann näherzukommen. Um es mit den weisen Worten von Jürgen Kliensmann zu sagen: „Vom Feeling her hatte ich ein gutes Gefühl.“ Und das hab ich der C. dann auch „verbal so gesagt“ (wieder ein Zitat, diesmal von Mario Basler – man merkt, die Frau Stern hat sich schon im Vorfeld tiefgründigst auf die Materie eingelassen und literarisch vorbereitet.)

Vorbereitet hatte ich dann der Bitte von C. nachkommend auch das Catering. So richtig männlich: Dosenbier und Chipsletten. Weil: Wenn wir das machen, dann bitte richtig. Dann wollen wir uns benehmen wie Männer, vor dem Fernseher sitzen, rülpsen, gröhlen und uns an den Eiern kratzen. Ok, letzteres wird schwierig, aber für’s Rülpsen sollte wenigstens das Dosenbier sorgen.

Und so fanden wir uns also ein: T. , C. und ich vor C’s ultimativer 30cm Bildröhre, die links und rechts ein bisserl was vom Bildauschnitt abschnitt, aber das sollte uns mal nicht stören.

Vor Anpfiff waren wir noch alle hochmotiviert, diesmal auch wirklich ohne vom Thema Fußball abzukommen durchzuhalten und ebenso davon überzeugt, dass Wien 2011 das zweite Cordoba wird, mal eins, das wir miterleben dürfen. Jaja, obwohl ich ein fußballerisches Nackerbatzerl bin, weiß ich, was Cordoba ist. Ich hab’s genau einmal nicht gewusst, da war ich ungefähr 5 Jahre alt und hab dann (es war bei Tisch in einem Gasthaus) gemeint: „Cordoba klingt gut, das nehm ich auch!“ – Seither wie gesagt, weiß ich, was Cordoba ist und dass man es im Gegensatz zu Cordon Bleu nicht essen kann.

Zurück zu unserem Fußballabend: Die T. hatte auch noch extra Deko besorgt (etwas un-männlich, aber nett anzusehen, die Österreich-Fähnchen auf dem bereitgestellten Käseigel) und wir hatten uns dem Dresscode rot-weiß angepasst auch noch dazu mit Lippenstift kleine Fähnchen auf die Pausbäckchen gemalt. So saßen wir dann da, auf C’s Couch und öffneten zeitgleich mit Bekanntgabe der Aufstellung unsere Bierdosen. Und dann geschah etwas Merkwürdiges: Während T. und ich herumblödeln und feststellen, dass Fußball viel mit Sex gemeinsam hat, weil man bei offensiver Taktik hier und da offensichtlich auf viel/e Spitze/n setzt, lacht die C. nicht mit, sondern ergeht sich in einem ellenlangen Vortrag über Taktik und fachkundigen Kommentaren zur Teamaufstellung. Das Ganze klingt so professionell, dass die T. und ich uns fragen, wo dieses Wissen plötzlich herkommt. Als Antwort auf unsere ungläubigen Blicke, ernten wir ein Honigkuchengesicht von der C, die da deklariert: „Der N. ist ein Schiedsrichter!“

Ahhhh, wir wissen vom N., dass er die neue Flamme von der C. ist. Wir wussten nur nicht, dass der schiedsrichtert und können uns die zweideutigen Fragen, ob er schon in ihren Strafraum gekommen war, ob er schon „einen rein machen konnte“ und ob er der C. schon gezeigt hat, wie die „Abseitsstellung“ geht, nicht verkneifen. (Ja, auch Damen können ab und zu einfach nur dreckig daherreden). Die C. ist leicht beleidigt, fängt sich aber wieder, als die Spieler einlaufen und sich zum Singen der Hymnen aufstellen. Da ist der debil-verliebte Grinser wieder auf ihrem Gesicht und sie verrät: „Beim letzten Spiel, das er gepfiffen hat, hat er meinen Namen in die Kamera gesagt.“ Die T. und ich haben uns nur stillschweigend angeschaut, uns aber nicht getraut laut zu lachen. Ab da war’s irgendwie vorbei mit „Wir schauen Fußball wie ein Mann“. Bei den Hymnen haben wir tatsächlich dann nur drauf geschaut, wessen Lippen sich synchron zum Text bewegten und wer vielleicht doch den Namen seiner Freundin flüsterte. Ich hätt auch schwören können, dass Paul Scharners Lippen kurz, als niemand hingeschaut hat, das Wörtchen „Elsa“ geformt haben, aber vielleicht war das ja auch nur Wunschdenken.

Und dann ging das Spiel los und wir drei Mädels waren quasi live dabei. Und wir haben auch wirklich versucht, uns auf die Geschehnisse auf dem Platz bzw. im Fernseher zu konzentrieren. Trotzdem wollte der Begeisterungsfunke irgendwie nicht richtig überspringen. 22 Männer, die einem Ball nachlaufen, 47.000 Zuschauer im Stadion, dazu das erklärte Ziel von Didi Constantini, der da meinte: „Wir wollen an unsere Grenzen gehen und Deutschland vor eine schwierige Aufgabe stellen“ – Wir hätten wohl größere Chancen gehabt, das zu erreichen, wenn wir unseren Nachbarn am großen deutschen Eck ein paar Differenzialgleichungen gestellt hätten.

Tatsächlich war es bereits nach 10 Minuten mühsam die Konzentration aufrecht zu erhalten. Die C. bemüht sich hierbei noch am meisten. Auf die Frage hin, warum sie eigentlich das Spiel nicht mit ihrem Schiedsrichter (dem wir kurzerhand den Spitznamen Mr Whistler zugedacht haben) anschaut, meint sie stoisch: „Nein, der schaut das mit seiner Freundin.“ – Auf diese Aussage, hörte man in der 13. Spielminute im Wohnzimmer der C. zwei Kinnladen runterfallen. Und ab da war’s dann wirklich vorbei mit Fußballschauen. Die erste Halbzeit verbrachten wir, lediglich kurz abgelenkt durch die zwei gefallenen Tore (eins davon für „uns“, also Österreich, aber nicht durch uns) , damit, C’s Beziehungssituation mit Mr Whistler zu erörtern. Um den Testosteronspiegel nicht gänzlich unter die Nulllinie sinken zu lassen, tranken wir vermehrt Dosenbier und waren dann alle froh, als die Halbzeit eingeläutet wurde, weil wir ja nicht damit gerechnet hatten, dass Dosenbier so sehr auf die Blase drückt.

Die zweite Halbzeit fanden wir dann auch nicht wirklich spannend. Man erkannte zwar das Bemühen, der Männer am Platz, ihr Bestes zu geben, aber auch hier verhält es sich beim Fußball wie beim Sex: Manche Männer können sich bemühen, wie sie wollen, es ist einfach sinnlos und bringt außer Erschöpfung bei ihm genau nix. Beim Sex kann frau freilich einen Orgasmus vortäuschen, ein Fußballspiel vorzeitig abzubrechen, indem man (vor Langeweile) stöhnt, als gäbe es kein Morgen, funktioniert nicht – wir haben’s ausprobiert.

Und verloren hat die österreichische Nationalmannschaft trotzdem. Vielleicht hätten sie sich an die weisen Worte von Anton Polster halten sollen: „Wenn du schon nicht gewinnen kannst, musst du wenigstens sehen, dass du nicht verlierst.“, dann wäre das vielleicht nicht passiert. Und wer weiß, vielleicht, wenn „wir“ gewonnen hätten, hätte die Frau Stern auch mal verstanden, was denn so super am Fußball ist, aber leider…, ich fürchte, ich werde es nie verstehen.

httpv://www.youtube.com/watch?v=dMQb-NxUTAY

Bildquelle: oesterreichnews.de

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