Tatortbegehung – oder warum man gegen einen Hulk mit Klobesen keine Chance hat.


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Der Herr Kommissar: Und hier ist es also passiert, sagen Sie?

Die Verdächtige: Ähm, ja?

Der Kommissar: Was heißt denn hier „ÄHM ja?“. Sie werden ja wohl noch wissen, wo Sie das Verbrechen begangen haben!

Die Verdächtige: Gut, in dem Fall war’s wahrscheinlich genau da.

Der Kommissar: Schöne Sauerei! Und jetzt noch einmal zum Tathergang: Sie haben das wehrlose Opfer also…

Die Verdächtige: Naja, wehrlos?

Der Kommissar: Sie geben also zu, dass das Opfer sich gewehrt hat, sie es aber durch Androhung von roher Gewalt erst einmal hier herein geschleppt und dann mit voller Wucht…

Die Verdächtige: Das war aber doch alles im Affekt! Ich hab nicht nachgedacht! Es erschien mir in dem Moment nur… passend!

Der Kommissar: Fräulein Stern, ich bin jetzt schon 15 Jahre bei der Kripo, aber so etwas Geschmackloses ist mir noch nicht untergekommen. Es erschien ihnen passend die Überreste des Opfers mit einem Klobürstel so lange zu malträtieren bis es quasi unkenntlich… ?

Die Verdächtige: Wenn Sie es so ausdrücken wollen. Ich finde ja nach wie vor, dass der Scheißkerl genau das verdient hat…

Der Kommissar: Bevor Sie jetzt noch irgendwas sagen, mit dem Sie sich weiter selber belasten, würde sogar ich Ihnen raten, Ihren Anwalt hinzuzuziehen.

… bevor auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, mir zu einem Anruf bei meinem Anwalt (der Herr Q und damit der Letzte ist, den ich mit den Geschehnissen nach der Realitäts-Watschn vertraut machen möchte) raten, hier die Entwarnung. Die obige Tatortbegehung hat so nur in meiner Fantasie stattgefunden. In Wirklichkeit hat das Ganze etwas anders ausgesehen:

Der Herr Installateur vom Dienst: Aha, jo, siag scho! Najo, saubere Sauerei! Oba wer kommt denn a auf die Idee, dass ma a Handy ins Klos schmeißt? (und mit fachmännischem Blick auf das im Kloabfluss eingekeilte Mobiltelefon) Und unabsichtlich reingefallen ist des sicher ned so, da hat wer mit dem Klobesen nachgeholfen. Des hat sich ganz schön verkeilt do hinten.

Betretenes Schweigen von meiner Seite. Vielleicht sollte ich dem Herrn Installateur vom Dienst lieber einen Schnaps anbieten, bevor ich ihm erkläre, wie das Handy des Handybesitzers auf unfreiwilligen Tauchgang ins Klo gekommen ist und warum ich es für nötig befunden habe, das Teil mit dem Klobesen so weit hineinzustopfen, dass man es mit bloßer Hand nicht mehr herausbekommt.

Wenn Sie sich erinnern mögen: Letzten Sonntag habe ich ja erzählt, was mir dieses Handy so alles über meinen Lebensabschnittpartner erzählt hat. Unter anderem, dass er sich mit einer gewissen Sabrina gerne im Warmen trifft, Spuren zwischen Nadines Schenkeln hinterlässt und dem nicht genug, er auch auf Tinder sehr aktiv ist und dort genau die Eine sucht, für die er die App de-installieren kann.

Immerhin hat er mich, und das habe ich noch nicht erzählt, in den Kreis der Auserwählten aufgenommen, für die er die App gerne de-installieren würde, nachdem ich ihm von meinem frisch gestalteten eigenen Profil ein „Like“ gegeben habe.

Wie kam’s? Zuerst einmal kam der Handybesitzer zurück ins Wohnzimmer und ich saß noch immer wie vom Blitz gerührt auf der Couch. In der Hand ein Gläschen Eierlikör, vor mir auf dem Tisch das verräterische Handy, das sich keiner Schuld daran bewusst war, dass es gerade mein Leben zerstört hatte. Eine Sache übrigens, die es mit seinem Besitzer gemeinsam hatte.

Auch der war ja noch gänzlich ahnungslos und wusste nicht, in welcher tödlichen Gefahr er sich befand.  Nicht, dass ich im Stande gewesen wäre, ihm etwas anzutun. In meinem Zustand hätte ich ihn sogar verfehlt, wenn ich etwas in der Größenordnung eines Klaviers nach ihm geworfen hätte.  Seelenruhig hat er deswegen seinen Kaffee auf dem Couchtisch abgestellt, mich ob des Eierlikörs ein bisschen verwundert angeschaut, aber nix gesagt. Sonst ist ihm auch auf den ersten Blick nichts aufgefallen, meine weitaufgerissenen Augen nicht, mein fassungsloser Blick nicht, mit dem ich ihn angestarrt hab. Nein, Verzeihung, ich darf jetzt nicht unfair sein und ihnen seinen Kommentar zu meiner Schockstarre unterschlagen. Er hat ja nämlich glatt gemeint: „Hast du was mit deinen Haaren gemacht? Du schaust so anders aus.“ Das war das zweite Mal an dem Tag, an dem ich mich über mich selber ärgern musste, weil ich mit so einem Trottel zusammen war.

Als ich nicht geantwortet habe, hat er nur sein Handy genommen und ist damit Richtung Häusl spaziert.

Irgendwo musste er ja seine ganzen Nachrichten checken, ohne dass ich checke, was er macht. Er ist dazu mal eine Viertelstunde auf dem Klo verschwunden. Was ich, hätte sein Handy ihn nicht verraten, gar nicht als auffällig eingestuft hätte. Das war nämlich so eine Angewohnheit. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich mir deswegen sogar schon mal Sorgen gemacht, wollte aber, es ist ja doch etwas indiskret, nicht im Detail nachfragen, ob mit der Verdauung auch alles in Ordnung ist (seien Sie mir nicht böse, ich finde auch Intimität hat ihre Grenzen und manches sollte man lieber für sich behalten). Onkel Super-Ego, freilich, der alte Romantiker versuchte mich damals auf meine Nachfrage hin, ob das für Männer eigentlich normal sei, so lange auf dem Klo zu brauchen, zu beruhigen, indem er mir erklärte, dass sich der Handybesitzer einfach ab und zu zur Entspannung auf’s Klo ginge. Entspannung wiederum definierte Onkel Super-Ego mit: Zu ein paar stimulierenden Streaming-Videos masturbieren.

Jetzt erklärt sich natürlich einiges. Und am liebsten hätte ich ja in der Viertelstunde, in der der Herr Handybesitzer auf dem Klo war, den Onkel Super-Ego angerufen und ihm noch mal laut wiederholt, was ich damals auch auf seinen Kommentar gesagt habe, nämlich: „Wäääähhhh!! Du bist so oarg, das macht er sicher nicht!“ Freilich mit dem Zusatz, was er wirklich machte, nämlich seine Tinder-Korrespondenz erledigen.

Leider kam ich nicht dazu, Onkel Super-Ego anzurufen. Denn mein Handy gab einen ungewohnten Dreiklang von sich. Tinder-Nachrichten, so scheint’s, kündigen sich immer so an.

Meine war vom Handybesitzer, der mich postwendend retour ge-matched hatte und jetzt eloquent und routiniert trotz oder wahrscheinlich gerade wegen des eher unscharfen Profilbildes von mir schrieb: „Hallo du Hübsche, du bist ja gar nicht weit weg von mir ;-)!“

Der Moment, als meine Antwort an den Herrn Handybesitzer auf seinem Handy einging und vom ihm gelesen wurde, war akustisch nicht zu überhören. Zumindest so viel Hirnschmalz hatte er, als dass er die Zeilen: „Ja, stimmt, ich sitz im Wohnzimmer, du Arsch!“ richtig interpretierte und mit einem lauten „Scheiße!“ kommentierte.

Wenig später stand er mir gegenüber. Und wäre die ganze Geschichte nicht tragisch gewesen – tragisch im Sinne von: Da glaubst du zwei Jahre lang, dass du endlich angekommen bist, dass du jemanden gefunden hast, dem du vertrauen kannst, der bei dir ist, weil er dich lieb hat und du ihn und dann merkst du, dass du nur eine warst von keine Ahnung wie vielen, denen er vielleicht das Gleiche erzählt hat oder auch nicht, dann wären die folgenden „Erklärungsversuche“ des Handybesitzers vermutlich schon fast wieder sowas wie witzig gewesen.

Sie begannen übrigens mit den klischeehaften Worten: „Elsa, das ist nicht das, wonach es ausschaut!“

Ich hab mir gespart, ihn darüber aufzuklären, „wonach es für mich ausschaut“, viel lieber hab ich mir das hilflose Gehasple angeschaut, in das er sich verstrickt hat.

Von „Das war nur eine Wette mit ein paar Arbeitskollegen“ über „Ich hab das doch nicht ernst gemeint“, bis hin zum absoluten Knaller: „Da kann ich doch nichts dafür, wenn plötzlich eine von den Frauen nackt in meiner Wohnung steht… hätt ich der vielleicht was zum Anziehen anbieten sollen, oder was?“

Ich glaube, es war in etwa an dieser Stelle, an der es mir zu viel wurde. Zu viele Lügen, zu viel Betrug, zu viel schlechter Film. An der Stelle war es nämlich, an der ich übermenschliche Kräfte entwickelt haben muss, nennen Sie mich ruhig Elsa Hulk, dem Handybesitzer seinen Besitz, also das Handy, aus der Hand riss und mit einem „Was glaubst du eigentlich, wie deppert ich bin??“ auf’s Klo rannte, wo das Handy im Abfluss landete. Und als der Handybesitzer mir wie von der Tarantel gestochen nachlief und nur jammerte: „Elsa, spinnst, das ist das neue I-Phone“, da hab ich mir nur gedacht, „Neues IPhone oder nicht, gegen einen Klobesen kann das nicht gewinnen!“

Und das war der Grund, warum der Herr Installateur vom Dienst tags drauf besonders tief in den Abfluss eintauchen musste, um das Handy zu bergen, das übrigens weder  „Plopp“, noch „Palim“, sondern nur mehr „Blubb“ machte.

Den Besitzer (jetzt ohne Handy) hab ich mit Bomben und Granaten vor die Tür gesetzt. Da saß er noch eine Zeit lang und hat geschrien und geweint, dass er ja ohne Handy nur schlecht ein Taxi rufen oder sich ein Zugticket zurück in die Bundeshauptstadt kaufen kann, was mir aber ehrlichgesagt Wurscht (mit SCH) war!

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