Patentierter Trennungsplan – oder warum ich den Mount Everest in meinem Wohnzimmer mit einer Sauerstoffflasche voll Rum erklimmen muss


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Ich weiß ja eigentlich wie Trennung geht. Also theoretisch. Einer geht und der andere bleibt zurück. In meinem Fall mit dem Handybesitzer: Er geht fremd und ich war zurückgeblieben genug, um das ganz lange nicht zu merken. So lange bis mir sein Handy die Wahrheit erzählt hat.

Und ich weiß, was Sie sagen werden: Man kann froh sein, dass das alles aufgeflogen ist und eine Enttäuschung bringt ja immer auch eine Ent-Täuschung mit sich. Nur warum, frag ich Sie dann, tut das so scheiß-verdammt weh? Warum verdammt noch mal vermisst man diesen Jemand? Warum kann man (und ich schließe hier von mir auf andere) nicht einfach sagen: A****, der verdient es ja nicht mal, dass ich ihm überhaupt eine Träne nachweine!? (Und an der Stelle möchte ich mich für die blumige Sprache entschuldigen, das ist sonst nicht so meine Art, aber die Emotionen… Sie verstehen das vielleicht.)

Und weil wir gerade bei den Warum-Fragen sind: Warum kann man nicht den von mir selber vor Jahren patentierten „Sternderl-Trennungsplan“ EINMAL stringent verfolgen, der da (ich hab ihn mir vor ein paar Jahren extra aufgeschrieben) folgende Punkte vorsieht:

  1. Entferne alles, was mit ihm zu tun hat. Brennbare Gegenstände sind dabei in einer nächtlichen Zeremonie in einem feuerfesten Gefäß (Nudelkochtopf oder Ähnliches) zu Asche zu machen und in alle Winde zu verstreuen.
  2. Lösche alle E-mails, Voicemails, Nachrichten, Fotos, kurz alles, was sich auf Handy oder Computer an digitalen Erinnerungen angesammelt hat!
  3. LÖSCHE sämtliche Telefonnummern / E-mailadressen / Adressen … kurz alles, was in eierlikörgeschwängerter Nächten der eigenen Natur, emotional nachzuschwächeln und Kontakt aufzunehmen, zuträglich sein könnte!
  4. Blockiere ihn auf Facebook, Instagram, Twitter und ähnlichen sozialen Kanälen! Blockiere seine Nummer (noch besser: Leg dir eine neue Handynummer zu!) Du willst nicht wissen, was er macht! Du willst nicht „recherchieren“ oder stalken und er hat sich bestenfalls zu wundern, was für ein tolles Leben du jetzt ohne ihn führst!
  5. Handy-Bereinigung: Neue Klingeltöne, neue Wecktöne, neue Playlisten (Wehe, du hörst dir „euer“ Lied!)
  6. Rituelle Reinigung: Wasche alles, worin sich seine Restpheromome befinden könnten (Bettwäsche, alte T-shirts), bei mindestens 60° Grad
  7. Wasche dich selbst! (nicht bei 60° Grad!) Wechsel Duschgel, Deo, Parfum – schlicht alles, was dein Näschen an die Zeit mit ihm erinnern könnte!
  8. Kein Eierlikör!
  9. Denk an Regel Nr. 5: Du musst nach einer Trennung immer besser aussehen als vorher! Also keine Schokoladengelage! Lass den Frust im Fitnessstudio raus und friss ihn nicht in dich rein!
  10. Wiederhole das Mantra: „Ich bin ein wundervoller Mensch und ich verdiene etwas Besseres!“ und tu jeden Tag mindestens eine Sache, die dir gut tut!
  11. Verbanne ihn aus deinen Gedanken! Und erinnere dich ja nicht an die „schöne“ Zeit! Lies „Die Liste“ (und ich hoffe, liebe Elsa der Zukunft, dass du nicht so naiv warst und keine gemacht hast!)

 

Liest sich erst mal logisch und einfach. Das Umsetzen allerdings… damit hab ich seit jeher meine Probleme. Alle Dinge zusammenzusammeln, die eine assoziative Wirkung haben könnten und daher die klaffende Wunde im Sternderlherz noch weiter aufreißen könnten, war in dem Akut-Trennungs-Schockstarre-Stadium, in dem ich mich zwei Tage nach dem Handydebakel noch befand, ein furchtbare Katastrophe. Ich bin ja kein Fan von Minimalismus… daher hab ich auch alles aufgehoben, also ALLES! Von den ersten Zugtickets in die Bundeshauptstadt, die ich seinetwillen gelöst habe, bis hin zu den Flugtickets nach Barcelona, die ich ihm eigentlich zum baldigen Geburtstag schenken wollte… Was ich mit denen jetzt mache, weiß ich ehrlich nicht…

Nach einer Viertelstunde hab ich aufgegeben, den Berg in der Mitte des Wohnzimmers, der sich nach diesen wenigen Minuten schon zu einem kleinen Mount Everest vergrößert hatte, weiter zu bauen. Das scheiterte erstens am Platz und zweitens am Alkohol. Er hatte mir nämlich mal eine Flasche Rum geschenkt… und da Rum ja streng genommen kein Eierlikör ist, hab ich befunden, dass das kein Verstoß gegen Regel Nr. 7 ist! Und ab da ging es bergab mit dem Trennungsplan.

Anstatt alles zu entfernen, was mit ihm zu tun hatte, lag ich zwei Gläser Rum später auf dem Everest an Erinnerungen in meinem Wohnzimmer und hörte „unser Lied“ auf Dauerschleife. Außerdem hatte ich die Schokolade, die sich auf dem Berg befand, aufgegessen. Erstens, weil ich ja ohnehin alles vernichten sollte und die Schokolade ja nichts dafür kann, außerdem hört man ja immer was von Lebensmittelverschwendung und dass die nicht gut für die Umwelt ist. Und zweitens, weil ich ausprobieren wollte, ob Rum mit Schokolade Rumkugeln ergibt, wenn man nur genug auf dem Boden herumkugelt.

Letzteres Experiment ging leider in die Hose, denn mir wurde vom Kugeln ein bisschen schwindelig. Da mein Hirn selten gut mitdenken kann, wenn es schwindelig ist, bin ich in eins seiner alten T-shirts geschlüpft und habe dort alles an Restpheromonen herausgeschnüffelt was ging, was natürlich ebenso wenig hilfreich war, wie nebenbei seine alten Voicemails anzuhören und alte Fotos anzuschauen. Eben diese Erinnerungen führten dazu, dass ich eine modifizierte Variante meines Trennungsmantras in meinem Kopf wiederholte: „Er ist so ein wundervoller Mensch, ich hatte ihn gar nicht verdient“.

Das Mantra führte zu einer mentalen Verwirrung á la „Ich will das alles nicht wahrhaben, das soll gefälligst wieder so sein wie vor …“  – Ich möchte ja gerne sagen wie wann, aber andererseits weiß ich ja gar nicht so genau, wann seine Fremdgeherei überhaupt angefangen hat… oder ob er immer schon ein Doppelleben geführt hat? Die Frage überfordert mich rein kognitiv und ich bin nach dem Rumkonsum auch wirklich nicht mehr in der Lage meinen investigativen Spürsinn zu aktivieren. Wofür ich aber noch betrunken genug war, war, mich in einem akuten Anfall von Masochismus auf Facebook einzuloggen und sein Profil zu stalken.

Und da waren sie plötzlich: Die untrüglichen Zeichen, die ich eigentlich schon viel früher als solche hätte erkennen sollen (wenn ich seinem FB-Profil auch nur irgendwelche Aufmerksamkeit gewidmet hätte in den letzten, sagen wir, 8 Monaten): Die vielen kürzlich hinzugefügten neuen „Freundinnen“, die seine Fotos mit Herzchen likten, die Kommentare eindeutig zweideutiger Art auf seiner „Wall“ hinterließen. Das gleiche Bild bot sich auf seinem Instagram Account (von dem ich übrigens bis dato gar nichts wusste): Partyfotos, von Partys, auf denen er nicht mit mir war, von denen ich gar nichts wusste, von denen ich glaubte, dass sie „Überstunden“ waren. Dem nicht genug: Urlaubsfotos von einem Kurzurlaub in Spanien, den er nicht mit mir, sondern in blonder Begleitung verbrachte… Das gab mir den Rest.

Und anstatt mich zu reinigen und zu waschen, entschied ich mich für die nächsten drei Tage ein Vollbad in Selbstmitleid zu nehmen, in dem ich vermutlich ertrunken wäre, wenn mir nicht meine beste Freundin E. zu Hilfe gekommen wäre.

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