EX-orzismen – oder warum ein wiederbelebtes Handy Racheideen zu Tage fördert, die bitte nicht auf meinem Mist gewachsen sind


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Um’s noch mal zu betonen: Ich bin bitte nicht schuld! Es war die Idee von der A. und auch ein bisschen von der E. Gut, die E. hat eigentlich gesagt, dass ich es nicht tun soll, weil das schrecklich schlecht für’s Karma ist. Und wenn man’s genau nimmt, hat auch die A. gesagt, dass ich’s nicht tun soll, eher jetzt wegen der weltlichen Konsequenzen. ABER: Wenn die beiden mir nicht gesagt hätten, was ich lieber nicht tun sollte, dann wäre ich schon mal gar nicht auf die Idee gekommen, gerade das doch zu tun… Verstehen Sie? Sehen Sie, ich wusste, dass Sie mich verstehen. Auch wenn Sie noch gar nicht wissen, worum’s eigentlich geht.

Also auf Anfang: Wenn Sie sich erinnern mögen: Die E. und die A. intervenierten in meiner Trennungsphase vom Handybesitzer, indem sie mir ein Gummiringerl verpassten, den Mount Everest an Erinnerungen aus meinem Wohnzimmer entsorgten und meine Wohnung mit Hilfe von Räucherwerk von bösen Geistern befreiten. Und dann wollten sie mir mein Handy abnehmen, um ihren Ex-orzismus dort fortzuführen und alle meine Erinnerungen an den Herrn Handybesitzer und meine Beziehung zu ihm zu löschen, für immer, weil sie unisono befunden haben, dass mir dieses „Loslassen“ guttun würde.

Ich dahingegen, die noch nicht dazu gekommen war, die Sicherungskopien meiner virtuellen Vergangenheit mit dem Handybesitzer auf meine EX-terne Festplatte zu ziehen, fand die Idee nur so halb super, weshalb ich in Panik geriet und den beiden selbsternannten Exorzisten das Handy vom Handybesitzer zum Fraß vorwarf. In erster Linie tat ich das, um Zeit zu gewinnen. Was so halb funktionierte. Bis die A. (woher die plötzlich so technisch versiert ist, weiß ich auch nicht) fachmännisch bemerkte: „Sternderl!? Seit wann hast du ein 8er iPhone?“

Und auch die E. schaut das Handy skeptisch an. Gut, um herauszufinden, dass das nicht mein Handy ist, muss man jetzt nicht Investigativ-Journalismus studiert haben… „Elsa, ist das das, was ich glaube das es ist?“, fragt die E. vorsichtig und stupst das Handy einmal versuchsweise mit dem Finger an, so als wollte sie prüfen, ob es tot ist.

Ich kann die E. nicht anlügen. Die kennt mich zu lange. Darum gelingt mir mein „Nein“ auch nur so halb überzeugend.

Die A. sitzt da und schaut von E. zu mir und wieder zurück, bis es ihr zu blöd wird: „Wovon redet ihr Zwei da bitte?“ Dann schnappt sie sich das Handy: „Pin her! Jetzt wird mal eine Runde gelöscht! Wieso geht das Teil denn nicht – wieder nicht aufgeladen?“ Es dauert ein bisschen bis bei ihr der Groschen fällt und sie das Handy mit einem gellenden „Ihhhhhhhh“ fallen lässt. „Wäähhhh, ich brauch was zum Desinfizieren!“

Während die A. hektisch nach einem Sagrotan-Tücherl in ihrer Handtasche sucht, passiert im Wohnzimmer etwas, das ich technisches Nackerbatzerl gerne mit „schicksalhafte Fügung“ bezeichnen möchte, einfach, weil ich es mir (rein technisch) nicht erklären kann. Irgendwas an der unsanften Landung muss das Handy des Handybesitzers reanimiert haben, denn augenblicklich war da der Bildschirm wieder hell und das Teil fing an zu ploppen, zu piepsen und noch andere Töne von sich zu geben, die nichts mehr mit dem „bluuuuubbb“ zu tun hatten, das es nach dem Klo-Tauchgang von sich gegeben hatte.

Alle drei, die A., die E. und ich sind von dem Gepiepse so erschrocken, dass wir nur fassungslos auf das Handy starren können. Keiner sagt was. Alle schauen wir nur, schauen zu, wie eine Nachricht nach der anderen auf dem Display erscheint. Alle Nachrichten an den Handybesitzer.

Die A. ist die erste, die wieder etwas sagen kann: „Hat der seine Nummer nicht sperren lassen? Ich hab geglaubt, der hat was mit Internet-Sicherheit zu tun gehabt beruflich…? Müsste der dann nicht als aller erstes seine Nummer…?“

„Wahrscheinlich hat er geglaubt, das Handy ist sowieso tot.“, mutmaßt die E. nicht ganz unlogisch.

Ich sag erst mal nix und bin froh, als die A. uns allen auf den Schock eine Runde Eierlikör einschenkt. Und so sitzen wir eine Zeit lang da. Schweigend und schauend und Eierlikör trinkend. Bis die E. das Schweigen bricht: „Also, ich glaub ja, es ist am besten, wenn wir das Teil auch entsorgen und zwar sofort, bevor hier noch irgendwem“ und dabei hat sie mich angeschaut „was einfällt, was ganz, ganz schlecht für’s Karma wäre!“

Die A. stimmt zu: „Ja, Elsa, ich glaub, es wäre jetzt wirklich das Blödeste, was du tun kannst, wenn du die Nachrichten liest oder noch schlimmer irgendwas drauf antwortest.“

Sehen Sie, ich hab’s ja gesagt: Alleine wäre ich nie und nimmer auf die Idee gekommen. Aber jetzt, wo die A. das quasi so vorschlägt, können die zwei gar nicht schnell genug schauen, hab ich mir schon das Handy gekrallt.

„Elsa, nicht!“, schreit die E. noch „Oder mach ma zumindest vorher die Herz-Chakra-Meditation! Wenn du willst leg ich dir auch die Karten!“

„Ja, oder wir räuchern noch mal durch!“, springt die A. jetzt auch auf den Esoterik-Zug auf.

Aber da ist es schon zu spät. Nachricht um Nachricht lese ich da auf dem Sperrbildschirm… von Frauen, die sich wundern, warum sich der Handybesitzer denn so lang nicht bei ihnen meldet.

„Ok, Sternderl, jetzt hast du’s gelesen, jetzt tut das wieder weh, jetzt hast dir selber wieder Salz in die Wunde gestreut, aber bitte gib jetzt das Handy her, bevor du noch was anstellst!“, redet die E. mir gut zu.

„Du kennst ja eh seinen PIN nicht. Du kannst ja gar nichts machen.“, meint die A. noch gelassen.

Leider hat sie damit Recht. Ich kenne den PIN nicht. Aber ich hätte da drei Versuche und versuchen kostet nix. Zuerst probiere ich daher sein Geburtsdatum. Fehlanzeige. Dann, weil mir nichts andere einfällt und ich mich nur noch erinnern kann, dass er sich selber mal über Leute lustig gemacht hat, die ihre Passwörter so gestalten, die ausgefuchste Zahlenkombination: 123456  und BINGO!

Plötzlich habe ich Zugang zu allem, was sich auf dem Handy befindet. Mails, Facebook, Instagram-Account, Whatsapp, Tinder,… Die A. und die E. sind in etwa genauso erschrocken wie ich.

„Elsa, das war jetzt lustig, aber jetzt ist es genug!“, sagt die A. nicht wirklich überzeugend. „Du hättest jetzt Gelegenheit, dich richtig gemein an ihm zu rächen, indem du, ich weiß nicht, die Frauen alle anschreibst und ihnen erzählst, dass er Tripper hat oder was auch immer oder du könntest auf FB posten, dass er sich als Crossdresser outet und Damenschuhe in Größe 46 sucht oder was weiß ich was, aber nimm doch bitte genau diese Machtposition jetzt als Chance zu zeigen, dass du da drüber stehst!“

Sehen Sie, da war’s schon wieder: Ideen über Ideen, auf die ich selber gar nicht gekommen wäre, die mir aber eigentlich recht gut gefallen. Vor allem die Sache mit dem Crossdressing. Vielleicht fallen mir da ja noch ein paar andere Fetische ein, zu denen der Herr Handybesitzer jetzt mal öffentlich stehen könnte.

„Elsa, bitte! Ich glaub, das ist überhaupt gar nicht legal und alles!“, wirft die A. ein, der mein Blick verrät, dass sich die Rädchen in meinem Hirn drehen und ich mir gerade ausmale, was man dem Handybesitzer alles antun könnte. Aber mit dem legal hat sie natürlich Recht.

„Lade wenigstens nicht alle seine Parallel-Freundinnen zu einem gemeinsamen Date ein, wo die sich dann kennenlernen können!“ – schon wieder so eine tolle Idee, diesmal von der E.

Wofür ich mich letztendlich entschieden habe? Das gibt’s dann nächste Woche hier nachzulesen.

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