6 aus 45 – oder warum die ARGE Unterleib eine variable Konstante in Humpty-Dumptys Wahrscheinlichkeitsrechnung einen Lottosechser betreffend ist.


Unterstellen Sie mir gerne Lokalpatriotismus, aber im Sommer ist Salzburg für mich the place to be. Nicht wegen der Festspiele. Nein, die Festspiele sind ein lustiges Nebenspektakel. Zumindest einmal im Jahr bringt es Salzburg damit auf ein bisschen Glanz und Glamour, ein bisschen Sex and the City… ok, gut, zugegeben, vielleicht nicht Sex and the City, aber immerhin Petting and the City und wem auch das noch zu viel ist (und wer sich zurecht mit mir auf einen Haufen schmeißt, weil auch er oder sie findet, dass Petting das Un-Wort der 90ziger ist), der möge mir zumindest zustimmen, dass Schmusen and the City durchgeht. Ein paar B-Promis, ein paar Bonzen aus der Wirtschaft, ein paar internationale Opernstars und Schauspielgötter, ein paar Adelige und ein paar ranghohe Politiker geben sich ein Stelldichein und fertig ist die Festspielhauptstadt mit Festspielpreisen, die nicht mal vor meinem Stammwürstelstand Halt machen, weshalb ich zur Sommerzeit auch immer einen großen Bogen um den „Würstel-Franz“ mache.

Aber wenn sich die Sonne am späten Abend verabschiedet hat, wenn die Festspielgastscharen aus dem großen Festspielhaus Richtung „Blaue Gans“ zum Essen unterwegs sind, wenn der Mond aufgeht und die Stadt in ein ganz eigenes Licht taucht, dann fühle ich mich wie nirgendwo sonst auf der Welt, daheim in meiner Geburtsstadt. Und es gibt einen Platz, der mein ganz eigener Platz ist und wo ich hingehe, wenn mir die Gedanken in meinem Kopf zu laut werden, weil der Platz ganz leise ist… meistens. Zumindest in lauen Sommermondscheinnächten, wenn die asiatischen Touristengangs alle schon schlummernd in ihren Hotelbetten liegen. Dann gehe ich durch die Gassen der Stadt, über den Domplatz, Richtung Festspielhaus und dann die Stiege hinauf, vorbei am Stefan-Zweig-Zentrum und hinüber zum MdM. Und dort auf der Mauer vor dem MdM kann man in eben diesen Nächten dann zumeist ein Sternderl sitzen sehen, das die Beine baumeln lässt, seine Zehen in die Lichter der Stadt taucht und sein Herz in Sehnsucht badet, eine Zigarette raucht und manchmal einen Schluck Eierlikör aus dem mitgebrachten Flachmann picknickt.

Ein Tag vor dem geplanten Festspielbesuch mit meiner Mutter war einer dieser Abende, an dem es in meinem Hirn gewitterte, als gäbe es kein Morgen und an dem ich mich zurückziehen wollte auf meinen Platz am Mönchsberg um in die Stille der Stadt einzutauchen. An jenem Abend kam ich in der meditativen Stille, die nur durch ein paar mondäne Jazzklänge aus dem hinter mir liegenden M32 gestört wurde, zu folgendem Ergebnis: Ich sollte definitiv anfangen Lotto zu spielen. Denn bei meinem Pech in der Liebe, müsste ich regelmäßig sowas von Glück im Spiel haben, dass sich wöchentlich zumindest ein Lottosechser ausgehen müsste.

Fassen wir aber gerne noch mal zusammen, was mich denn auf die Idee bringt, dass sich die Investition in ein paar Lottoscheine durchaus bezahlt machen müsste:

Zum einen war da vor nicht allzu langer Zeit die Sache mit dem Handybesitzer, der das mit dem Versprechen von Monogamie nicht so eng gesehen und das Mono eigenständig und ohne mich darüber zu informieren durch ein Poly ersetzt und mir damit zwei Jahre meiner Lebenszeit gestohlen hatte. Da man so einen Diebstahl leider nirgends zur Anzeige bringen kann, war ich auf Selbstjustiz angewiesen, die mir ein Wiedersehen mit meinem schicksalhaft verbundenen Anwalt in Form von Herrn Q bescherte. Und bei diesem Wiedersehen hatte jener nichts Besseres zu tun, als mir einen spontanen Heiratsantrag bei Spaghetti Bolognese zu unterbreiten.

Hätte man mein Liebesleben zu dem Zeitpunkt also gerne als mathematische Gleichung dargestellt, in der die konstante Variable Q immer mal wieder auftaucht, dann hätte diese wohl so gelautet:

(Elsa – Handybesitzer) + Q = alles, was sich Mutter Stern so für ihre Pension erträumt hat (Hochzeit der Tochter nebst Enkelkindern im Multipack)

Verkompliziert wird diese Gleichung aber, wenn man zum einen berücksichtig, dass Herr Q mir wenig später in einem Nebensatz unterbreitete, dass er eine WG mit seiner Vergangenheit aka Irene zu gründen vorhatte. Wobei sich bei mir der Verdacht erhärtete, dass Irene statt einer WG eher eine ARGE, und zwar die ARGE Unterleib, vorschwebte. Und weil ich deswegen gar nicht mehr sicher war, ob ich Herrn Q überhaupt heiraten wollte und Herr Q mir seinerseits unterstellte kindisch zu sein, weil mich die ARGE mit Irene aufregte, ergibt die Rechnung: Elsa + Q im Moment nur Verunsicherung hoch 2.

Diese Verunsicherung brachte aber auch mit sich, dass sich meine Mutter auf Pilgerfahrt begab und in meiner Vergangenheit nach einem brauchbaren Ersatzgast für den diesjährigen Festspieljedermann suchte, nicht auf Anhieb fündig wurde und mir daher androhte, eine adäquate Begleitung aus ihren Instagram-Followern herauszusuchen. Ich habe es nach wie vor nicht verdaut, dass meine Mutter auf Youtube als die „Marie Kondo des Flachgaus“ gehypt wird und fast 100 mal so viele Follower auf Instragram hat wie ich. (An der Stelle: Wenn Sie heute noch eine gute Tat vollbringen wollen, dann folgen Sie mir bitte!) Fragen Sie mich jetzt bitte nicht, wie man diese und andere Erkenntnisse und Informationen in der oben aufgestellten Gleichung unterbringen könnte. – Ich habe keine Ahnung, weshalb ich an jenem Abend auf dem Mönchsberg meinen Kopf auch etwas tiefer als geplant in den Eierlikörflachmann gesteckt habe. Das war im Übrigen nicht ungefährlich, denn Eierlikör macht mich gerne schwummrig im Hirn und führt zu Schwindel und den kann man auf der Mauer vor dem MdM gar nicht gut gebrauchen, denn zu groß ist die Gefahr, dass man dann einen auf Humpty-Dumpty macht und sich arg konzentrieren muss, nicht hinunter zu plumpsen.

Noch mehr muss man sich dabei wohlgemerkt anstrengen, wenn einen in so einem Moment die eigene Vergangenheit in Form einer Nachricht auf dem Handy einholt. Es hätte mich fast von meinem Mäuerchen geprackt, als ich gesehen habe, wer mir da was zu schreiben hat.

„Schöne Vollmondnacht!“ stand da auf dem Display „Pass auf, dass du nicht von deiner Mauer fällst!“

Ich hatte die Nachricht kaum gelesen, da spürte ich eine Hand auf meiner Schulter und es war gut, dass mich der Absender der WhatsApp auf diese Weise vom Vorneüberfallen und in die Tiefe Stürzen abhielt, denn eines können Sie mir glauben: Wenn so ein Mr. Harmley nach Jahren der Funkstille auf einmal an einem Platz wieder aus der Versenkung auftaucht, der eigentlich mein ganz alleiniger Nachdenkplatz ist, dann kann man schon mal ins Strudeln kommen.

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