Harmley, Klappe! (die Zweite) – oder warum ich das Opfer eines sadistischen Seifenopern-Autors bin.


Ich wäre manchmal wirklich gerne jemand anderer. Und nein, ich meine damit nicht, jemand anderen, der schöner, reicher, erfolgreicher oder sonst was ist. Ich bin da eh bescheiden. Es würde mir persönlich schon reichen, wenn ich nicht andauernd das Gefühl haben müsste, dass ich mich in einer schlechten Seifenoper befinde, die von irgendeinem Scherzkeks in einer andern Dimension geschrieben wird, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mich von einer Katastrophe in die nächste zu schicken und mir dann belustigt dabei zuschaut, wie ich mit Händen und Füßen rudernd versuche, da wieder herauszukommen, ohne mir Gliedmaßen oder mein Herz zu brechen.

Falls Sie mir meine Verschwörungstheorie nicht glauben, fasse ich natürlich gerne noch einmal meine Verdachtsmomente zusammen:

Herr Q war zuerst mit mir verlobt, dann tot, dann wieder auferstanden, aber nicht irgendwo sondern  in einer zweifelhaften WG mit seiner Ex-Irene. Dass mich das aufregt, findet er schlicht nur kindisch und meldet sich wahrscheinlich deswegen nicht. Möglicherweise wartet er bis ich von alleine erwachsen werde. Alleine diese Entwicklung möchte man als doch recht kurios einstufen.

Meine Mutter ist … meine Mutter. Wie immer. Angesichts dessen, was sie an Minderwertigkeitskomplexen wegen ihrer Schwester mit deren perfekter (nämlich verheirateter) Tochter mit sich herumschleppt, ist sie meinetwegen so verzweifelt, dass sie sogar vor einer Pilgerfahrt und einem Instagram-Aufruf für einen Schwiegersohn nicht zurückschreckt.

Aktuellstes Beispiel aber, das meinen Verdacht auf einen sadistischen „Sternderl-Seifenoper-Autor“ angeht, ist die augenblickliche Situation in einem Hotelzimmer, das ich nachts zuvor mit einem gewissen Mr. Harmley geteilt habe, der mir dann zum Frühstück neben einem Kaffee leider auch eine Fangfrage der anderen Art serviert hat. Die Frage nach dem „Was wird das jetzt genau noch mit uns?“ traf mich so unvorbereitet, dass ich keine Antwort wusste. Und deswegen wurde mir von Mr. Harmley ein Lösungsvorschlag präsentiert, der seinesgleichen sucht. Harmley nämlich ist der Meinung, dass es besser ist, dass „diese Nacht“ unser „kleines Geheimnis“ bleibt.

Ich hätte Mr. Harmley gerne allerhand in sein schönes Gesicht geschmissen, allen voran meine Room-Service-Eierspeise, als er mir mit diesem Vorschlag daherkam. Aber dazu kam ich gar nicht. Weil er Sekunden später mein Gesicht in seine Hände nahm, mir tief in die Augen schaute und bekannt gab: „Zumindest so lange, bis ich offiziell getrennt bin.“

Ich weiß ja nicht, vielleicht bin ja nur wieder ich überempfindlich, aber ich frage mich allen Ernstes, wann ich eigentlich das Abo auf einen Platz auf der Warmhalteplatte unterschrieben habe. Der Q will ein Jahr warten, bis die Verlobung „rechtswirksam“ wird und die einzige Alternative dazu, Mr. Harmley, will sich erst einmal offiziell trennen. (Von wem eigentlich? Ich mache eine mentale Notiz, dass ich meine Promi-Gerüchte-besessene Mutter dazu befragen muss.)

„Elsa, schau nicht so! Du weißt doch, wie das bei mir ist. Ich dachte, du hättest Verständnis“.

Entschuldigung, aber in dem Fall ist der Grat zwischen „Verständnis haben“ und „total plemplem sein“ für meinen Geschmack ein bisschen allzu schmal. Und wer mich kennt, der sollte wissen, dass solche Balanceakte selten akrobatisch gekonnt enden. Vielmehr sehe ich mich schon wieder mit dem Goscherl voraus irgendwo auf den Boden der Realität fallen. Und trotzdem, nur der Neugierde halber und weil ich anscheinend beim Blick in Mr. Harmleys Augen nicht gscheid denken kann, frage ich nach, wie denn so der Zeitplan ausschauen würde, woraufhin der Harmley nur kryptisch mein, dass alles schon sehr bald überstanden ist, wenn alles planmäßig läuft.

An der Stelle wurde es mir zu viel. Und ich bin hinausgestürmt. Zuerst aus dem Hotelzimmer und dann aus dem Hotel. Ich hab mich nicht umgedreht, habe die Tatsache, dass ich nur im Hotelbademantel und den flauschigen Hotelschlapfen unterwegs war erfolgreich ignoriert, bis ich gemerkt habe, dass sich etliche Passanten nach mir umdrehten und hätte mir einfach nur gewünscht, dass der Tag, der gerade erst begonnen hatte, schon zu Ende wäre. Leider war da aber noch die Jedermann-Aufführung, zu der mich meine Mutter mitnehmen wollte und zu der sie mir, was noch viel schlimmer war, ein Blind-Date organisiert hatte. Und wer den Geschmack meiner Mutter, was Männer angeht, kennt, der weiß, dass das nur eine Katastrophe werden kann. Auf der Liste der Männer, mit denen mich meine Mutter schon verkuppeln wollte, befanden sich neben erzkatholischen 42-Jährigen männlichen Jungfrauen und zwibacktrockenen Geheimratseckenträgern nicht zuletzt auch ein Napoleon-Double und mein eigener Cousin. Ich will also eigentlich gar nicht wissen, was sie mir diesmal anschleppen wird.

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