Zu Risiken und Nebenwirkungen – oder warum Fräulein Stern im Fieberwahn zu kuriosen Ideen neigt


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Ich war ja letzthin krank, daher gab es auf dem Blog auch so wenig Neues nachzulesen. Aber glauben Sie mir, Sie wollen nicht alles lesen, was ich mit 39 Grad Körpertemperatur so vor mich hin fantasiere. Wahrscheinlich war der grippale Infekt, der mich heimsuchte, zurückzuführen auf die Absenz regelmäßig oral verabreichter Bazillen in Form von Zungenküssen – wegen der Stärkung des Immunsystems wär’s gewesen.
Gut, mein Hausarzt hat das anders gesehen und mir etliche pharmazeutische
Produkte ans Herz gelegt und via Rezept verschrieben. Daraufhin bin ich in die
Apotheke meiner Wahl gewankt und habe dort ein halbes Vermögen in die chemischen Wiedergesundmacher investiert.

Als ich da so in meinem Fieberwahn zu Hause saß und vor mich hinschnäuzte, war mir entsetzlich fad. So fad, dass ich zur Lektüre die Beipackzettel der mir verschriebenen Pülverchen und Mixtürchen heranzog, was einige erstaunliche Entdeckungen zu Tage förderte. Ein wahres Aha-Erlebnis der anderen Art hatte ich als ich im Beipackzettel meines Antibiotikums folgendes las: „Wofür wird K*** U** angewendet? 1) Infektion der unteren Atemwege 2) Rachen- und Nasennebenhöhlenentzündung 3) Infektionen der Haut und Weichteile wie z.B.: ZELLULITIS“ – Zellulitis! Das stand da wirklich, das hab ich nicht halluziniert! Und ich muss auch wirklich sagen: Nach einwöchiger Kur sind meine Schenkelchen deutlich straffer! Insofern muss ich mal wieder bekennen: Anscheinend ist alles für was gut.

Zurück zum Thema: Beipackzettel. Bei Lektüre ebenjener kam mir eine ganz wunderbare Idee: Wäre es nicht großartig, wenn jeder von uns sowas wie einen Beipackzettel mit sich führen würde? Gerade die Singles unter uns, würden sich Unmengen an Zeit und Enttäuschung sparen, wenn man einfach zu Risiken und Nebenwirkungen des potentiellen Lebensabschnittspartners in dessen Hosentasche fassen und den darin enthaltenen Beipackzettel konsultieren könnte!

Ich hab mir mal den Spaß erlaubt, ein solches Dokument für mich selber zu verfassen und möchte den lieben Bloglesern das Ergebnis nicht vorenthalten:

BEIPACKZETTEL FRÄULEINSTERN®

Zusammensetzung: einigermaßen ansprechende Verpackung, synthetische
Intelligenzersatzmittel, 0,05 mg Ironie/Sarkasmus pro abgegebenem Statement,
künstliche Aromastoffe (Acqua di Parma Gelsomino Nobile), 65% Ehrlichkeit, 35% Selbstironie, 5%leichte Selbstüberschätzung, 0,0% mathematisches Talent

Wirkungsweise: FräuleinStern® beeinflusst bei regelmäßiger Anwendung in der
vorgeschriebenen Dosierung vor allem die Hirn- und Lendenfunktion, regt
geistreiche Gespräche an, erhöht bei Überdosierung allerdings den Rotwerdfaktor
und kann sich auf das Herz-Kreislaufsystem (Schwärmerei, Sehnsucht, Herzrasen
oder Schlimmeres) auswirken.

Einnahme:
FräuleinStern® kann äußerlich und innerlich sowie auch als Badezusatz verwendet
werden.
Die Einnahme von FräuleinStern® darf nicht eigenmächtig abgebrochen werden, da es
sonst zu allergischen Reaktionen (klammern) kommen kann. Brechen Sie die
Anwendung nur dann ab, wenn es zu Nebenwirkungen kommt. Konsultieren Sie vor
Abbruch der Einnahme unbedingt ihre Hausbar.

Dosierung:
Die vorgeschriebene Dosierung von FräuleinStern® sollte genau eingehalten werden, da
es sonst zu Schlaflosigkeit, Übermüdung, Konzentrationsschwierigkeiten und
Ausgelaugtheit kommen kann.

Hinweise zur Lagerung:
FräuleinStern® sollte nach Möglichkeit an einem warmen, trockenen Platz gelagert
werden. Vermeiden sie den direkten Kontakt mit anderen Singlepräparaten, da
dies die Treuehaltbarkeit verkürzen kann.

Vorsichtsmaßnahmen zur Anwendung und besondere Warnhinweise

Verträglichkeit:
Zur besseren Verträglichkeit empfiehlt es sich, FräuleinStern® nicht am
Sonntagvormittag, generell in der Früh oder während ihres Schönheitsschlafs
einzunehmen.

Folgende Personen sollten FräuleinStern® nicht verwenden:

Das Präparat FräuleinStern® ist prinzipiell nur für Männer zugelassen. Sollten sich
Frauen im gemeinsamen Haushalt aufhalten, so sollten Sie FräuleinStern® unbedingt
unter dem Bett oder im Kleiderschrank verstecken.

Für Kinder unter 30 Jahren unerreichbar aufbewahren.

Negative Nebenwirkungen konnten auch bei Probanden ab 45 festgestellt werden: FräuleinStern® eignet sich nämlich leider nicht zur Therapie der Midlifecrisis, führt
allerdings manchmal zum verfrühten Eintreten ebendieser.

Ebenso sollten Sie auf die Einnahme von FräuleinStern® verzichten, wenn

– Sie FräuleinStern® nur als zeitweises Ersatzpräperat an Stelle eines anderen LAPs
verwenden wollen und/oder glauben FräuleinStern® nur einmalig anwenden zu können und
sich dann nie wieder melden zu müssen.

– Sie generell die Tendenz haben Geburtstage, Valentinstage oder andere
Geschenkrelevante Feiertage zu vergessen

– Sie außer dem Telefonbuch noch nie ein Buch von innen gesehen haben.

– Ihr Horizont vor Ihrer eigenen Nase aufhört

– Sie glauben, dass Niveau eine Hautcreme ist

– Sie ein empathisches Nackerbatzerl sind und sich dieser Blöße nicht einmal genieren.

– Sie glauben, dass Diskussion eine olympische Disziplin im alten Griechenland
war, bei der es um Tonscheibenweitwurf ging

Nebenwirkungen:

Versuchen Sie Ihrer Gesundheit zu Liebe nicht alle Gedankengänge von FräuleinStern®
nachzuvollziehen. Dies kann zu leichter bis schwerer Verwirrung führen.

FräuleinStern® kann quengelig werden, wenn sie ihren Willen nicht durchsetzen kann
oder ihre Neugier nicht befriedigt wird und Ihnen dann schwer auf die Nerven
fallen.

Fühlt sich FräuleinStern® nicht genügend gewürdigt, wird sie das Weite suchen. Stellen Sie daher sicher, dass Sie der Anwendung genügend Aufmerksamkeit schenken.

Im Allgemeinen wird FräuleinStern® allerdings recht gut vertragen, vor allem nach
einer kurzen Gewöhnungsphase.

In Kombination mit Alkohol kann FräuleinStern® neben einer leichten Änderung des Bewusstseinszustandes auch folgende Nebenwirkungen haben: ungenierte Ehrlichkeit, komplizierte, nicht nachvollziehbare Denkansätze, syntaktisch verworrene, elendslange Sätze, ein übersteigerter Kommunikationsdrang.

Kombinieren Sie FräuleinStern® nie mit kitschigen oder schnulzigen Komplimenten.
Ehrliche Komplimente mit Wirklichkeitsbezug können dahingegen den
Behandlungserfolg steigern.

 

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und meinem Beispiel folgen möchte, dem empfehle ich die Einnahme von drei Dosierbechern voll alkoholhaltigem Hustensaft ex – es schreibt sich dann nämlich in der Tat gleich viel bisserl flüssiger.

 

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Perfekt bin ich nur im Konjunktiv – oder warum Irene in Zukunft neben Oscar, Nobelpreis und Olympiamedaille auch noch den Sternderl-Award abstauben muss


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Bevor es noch mal zwischen Herrn Q und mir spannend wird, muss ich leider sudern. Der Grund beginnt mit I- und hört mit -rene auf. Wissen Sie, was mich an Irene wirklich stört? Dass sie mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Es ist aber auch schwierig eine Irene aus dem Kopf zu bekommen, wenn diese in einer WG mit meinem „Verlobten“ wohnt und mit ihm Silvester auf einem Berg in einem Chalet verbracht hat. Man könnte glatt meinen, dass sie Herrn Q somit auch nicht aus dem Kopf geht. Und dann sind das gezählt schon zwei Köpfe, in denen Irene herumspukt, also eindeutig zu viele, wenn Sie mich fragen.

Leider habe ich kein Bild zu Irene, ich weiß also nicht mal wie der „Feind“ aussieht. Und das erschwert so einiges. Ich tendiere dann nämlich dazu, mir selbst gedanklich ein Bild zusammen zu schustern und das tut meinem ohnehin schon desolaten Selbstbewusstsein seit ich mich heute früh auf die Waage gestellt habe gar nicht gut. Irene hat solche Probleme selbstverständlich nicht, sie verteilt ihre Kilo wahrscheinlich auch auf mehr Laufmeter als ich. Wahrscheinlich hat sie bei einer Körpergröße von 1,75m nicht mehr als 50kg auf den Rippen, diese freilich dort proportioniert, wo Männer sie gerne haben wollen, also schon mal nicht so wie ich um die Hüfte, an den Oberschenkeln und am Allerwertesten. Sie trägt höchstwahrscheinlich mindestens eine Cup-Größe mehr Oberweite in ihren exklusiven Agent Provocateur Spitzenteilchen spazieren und hat überhaupt schon mindestens einmal die Miss World Wahl gewonnen. Aber Irene tut ganz sicher auch was dafür. Viermal die Woche Pilates und dreimal Bikram Yoga am Morgen gefolgt von einem leichten Dauerlauf, nur um danach mit perfekten, glatten, blonden Haaren, perfektem Make-up und perfektem Lächeln zu glänzen. Sie ist selbstverständlich die Selbstdisziplin in Person und futtert sich zum Businesslunch durch einen Salat mit-ohne Dressing (von dem ihr genau kein Blatt zwischen den perfekten Zähnen hängen bleibt) gefolgt von einem Dessert bestehend aus dreierlei Variation von Schokolade, dessen Anblick alleine bei mir schon die Waage ausschlagen ließe, Irene allerdings lächelt die Kalorien einfach weg, denn sie hat obendrauf einfach auch noch das Glück einen Ruckizucki-Stoffwechsel ihr eigen zu nennen.

Dem nicht genug, ist Irene natürlich auch über die Maßen intelligent. Ich nehme an, dass sie schon im zarten Alter von 18 für den Nobelpreis nominiert war, bekommen hat sie ihn allerdings erst, als sie 21 war und sich hobbymäßig eine Arbeit über Quantenphysik aus dem Ärmel geschüttelt hat. Stephen Hawking hat damals ihre Laudatio gehalten und sie in a nutshell als bombshell vorgestellt. Irene trug für die Verleihung ein langes, bordeauxrotes Satinkleid, das ihr Karl Lagerfeld (dessen Muse sie selbstverständlich auch mal war) extra auf den Leib geschneidert hat und ging an dem Abend auch mit einem Vertrag nach Hause, in dem sich Stephen Spielberg die Rechte an der Verfilmung ihrer Autobiographie gesichert hat. Natürlich durfte sie sich selbst spielen und erhielt dafür auch noch den Golden Globe und den Oscar und ist somit nach Georges Bernhard Shaw erst die zweite Person, die beides gewonnen hat (also Nobelpreis und Oscar). Getoppt wurde das Ganze nur noch von der olympischen Goldmedaille im Fechten. Wie komm ich auf Fechten? Weil’s einen Touch versnobt und elitär ist und trotzdem einen tadellosen Knackarsch zaubert, und den hat Irene selbstverständlich auch. Immerhin scheint die Glückssträhne der Irene in meinem Kopf momentan abzureißen und zwar, weil sie bis jetzt nur auf der päpstlichen Warteliste für eine Seligsprechung steht (wird aber sobald wie möglich, also posthum dann, eh nachgeholt) Und das alles, obwohl sie mindestens fünf Jahre jünger ist als ich…

Kurz zusammengefasst: Irene ist im Gegensatz zu mir perfekt. Ich bin ja leider nur in einem perfekt und zwar im Konjunktiv, ergo auch darin, Irenes Gegenteil zu sein. Und da muss man natürlich auch Verständnis haben für den Herrn Q, dass er so eine perfekte Frau lieber liebt, als eine so unperfekte Frau wie das Fräulein Stern eine ist. On the bright side: Hätte ich einen Oscar, eine olympischer Goldmedaille und einen Nobelpreis zu Hause stehen, dann müsst ich auch mehr abstauben. Insofern hab ich ja noch mal Glück gehabt.

Sie haben natürlich Recht… So eine Irene kann gar nicht real existieren. Das weiß ich auch. Also seit ich die Nobelpreisträger, Oscar-Gewinner und Miss Worlds der letzten 10 Jahre gegoogelt habe. Was mich gewissermaßen beruhigt hat, denn die letzte Nobelpreisträgerin namens Irene ist 1959 bereits verstorben und eine Miss World namens Irene hab ich gar nicht erst gefunden.

Was mich dann aber wieder arg verunsichert hat, war die Sache mit Facebook. Eins vorweg: Ich stalke nicht, ich recherchiere nur! Und so recherchierte ich mich einen Nachmittag lang durch Herrn Qs Freundesliste. Diese ist wirklich extensiv. Mehr und weniger illustre Persönlichkeiten rangieren unter diesen knapp 5000 Kontakten. Bis man da durch ist, vergeht nicht nur eine gewisse Zeit, nein es vergeht einem auch das letzte bisschen Selbstbewusstsein, das man hatte, das können Sie mir glauben. Seine Kontakte sind zu etwa 30 % jung und blond und weiblich und entsprechen somit meinem Stereotyp von Irene. Insgesamt ist Herr Q laut meiner Recherche mit fünf des Namens wegens in Frage kommender Irenes befreundet und alle sehen aus, als wären sie gerade eine Runde bei Topfmodel weitergekommen. Es ist nicht verwunderlich, dass ich auf diese Entdeckung hinauf erst einmal einen großzügigen Schluck aus der Eierlikörflasche brauche. Und das war fatal. Denn Eierlikör (und nur der war schuld) brachte mich auf die Idee, meine Recherche doch noch etwas weiter zu treiben. Ich klickte mich also durch die Profile der Irenes. Nach einem weiteren Schluck Eierlikör verfluchte ich die Privatssphäreeinstellungen bei Facebook, die diesen Irenes ermöglicht, sämtliche Informationen (vor allem den Beziehungsstatus) vor Nicht-Freunden geheim zu halten. Einen weiteren Schluck später kam ich schließlich auf eine ganz glorreiche Idee, zu der dürfen Sie mir gerne gratulieren. Unter dem Motto: Alkohol löst keine Probleme, schafft aber interessante neue, hab ich, bevor ich mich versah, den fünf Irenes in einem Rundumschlag mal lustig eine Freundschaftsanfrage geschickt.

Erst am nächsten Tag ist mir eingefallen, dass Herr Q mich wahrscheinlich umbringen wird, wenn er von dieser Aktion und meiner „Recherche“ erfährt. Da war’s allerdings schon zu spät. Zwei Freundschaftsanfragen wurden direkt ohne Nachfragen akzeptiert und boten Einblicke (vor allem in weite Ausschnitte mit so einem Dekolleté), die ich wirklich nicht gebraucht hätte und eine Nachricht befand sich auch im Messenger: „Liebe Elsa, Es ist sehr nett, dass du dich mit mir befreunden willst, allerdings kennen wir uns nicht persönlich und ich finde auch, dass wir es in Anbetracht der derzeitigen Situation dabei belassen sollten. Ich nehme an, Q sieht das ähnlich. Irene“

In Anbetracht der Situation? In Anbetracht dieser Situation ist mit zuerst das Handy und dann meine Kaffeetasse runtergefallen. Wir haben eine Situation? Ich wusste von einer Situation zwischen Herrn Q und mir, aber warum weiß Irene da auch davon? Oder spricht sie vielleicht von einer gänzlich anderen Situation? Was für eine Situation bitte? Ich hab befürchtet, dass es eine Situation gibt, von der Form her dreieckig wie in dem Dreieck Elsa-Q-Irene, aber ich hatte gehofft, dass man die Unbekannte Irene irgendwie mit Pythagoras wegrechnen könnte und am Ende statt der Gleichung: Elsa² plus Q² = Irene² das Ergebnis: Elsa + Q rauskommt. Mathematisch jetzt natürlich voll unlogisch, aber ich bin sicher, Sie wissen, was ich meine… Und jetzt werde ich aber von Irene darüber in Kenntnis gesetzt, dass es eine Situation gibt. Situation klingt nicht gut, gar nicht. Situation klingt nach: Es gab da einen Vorfall, der so eine Situation nach sich zog und jetzt muss mittels Krisenmanagements eine Lösung gefunden werden. Und Herr Q sieht das zu allem Übel ähnlich. Gut, sicher ist sich Irene nicht, dass Q das ähnlich sieht, aber sie kennt ihn gut genug um es annehmen zu können…

Einen Nobelpreis für Literatur kriegt Irene für diese Nachricht zwar nicht, aber ich könnte ihr eine andere Auszeichnung anbieten. Konkret denk ich da an den Sternderlaward für die beste Realitätswatsche. Ich werde mich heute noch hinsetzen und so eine töpfern und dann würde ich sie Irene gerne so um die Ohren hauen, dass ihre Brustimplantate wackeln.

 

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Das Ding mit dem Aufhören – oder warum mich Mantras und Kamillentee nicht vor der Versuchung schützen


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Wenn der Jahreswechsel eins mit absoluter Sicherheit mit sich bringt, dann sind es Vorsätze. Meistens haben diese etwas damit zu tun, dass man alte Laster ablegen möchte. Man sieht sich also zumeist zum Jahreswechsel damit konfrontiert, dass da irgend so ein Motivationsviecherl im eigenen Inneren sagt: „Ab morgen alles anders!“ Und flugs ist man in der Situation, in der man aufhören will, damit aufhören will, süchtig zu sein. Wonach auch immer… Zigaretten, Schokolade, Männer, was auch immer es ist, das der eigenen Gesundheit, Figur oder Psyche schadet, von dem man aber seine kleinen, zierlichen Finger nicht lassen kann… weil man sich einredet, es schmeckt, man kann nicht ohne … (insert Sucht of your choice) leben.

Ich hab ja auch schon öfter mal aufgehört… also eh mit allem: Zigaretten, Schokolade und anderen figurschädlichen Lebensmitteln, Männern… Zu Silvester war’s mal wieder so weit. Ich war es leid, abhängig zu sein von der Droge meiner Wahl (suchen Sie sich von obigen gern eine aus) und ständig daran denken zu müssen, wie ich an meine nächste Dosis kommen könnte. Das erkannte ich freilich erst, als die Droge meiner Wahl nicht mehr vorrätig im Stern’schen Haushalt war und auch nicht im Umkreis von 20 km erhältlich war und ich mir ergo diese dämliche Abhängigkeit eingestehen musste. Als das aber geschafft war, konnte ich mir so einiges erklären: die Gereiztheit, das Nervöseln, das Nicht-Wissen, was man mit sich selbst anfangen soll, die Leere, die man nicht füllen kann, dafür aber sehr gut fühlen kann… Da erkannte ich: „Elsa, du hast ein Problem.“ Jetzt hilft es in einer Situation, in der man gereizt, nervös und unausgeglichen ist, nicht unbedingt, wenn dann noch so eine problemorientierte Selbsterkenntnis daherkommt. Mir zumindest nicht, obwohl, ja, ich weiß: „Einsicht ja der erste Schritt zur Besserung ist“ – Ja, ja, eh gscheid! Es hilft nur leider nix. Von der Erkenntnis alleine wird’s nicht besser, eher schlechter. Wenn man weiß, was einem fehlt, dann denkt man sich zuerst: “Nicht dran denken!“  Und was passiert, wenn ich zu mir selber sag: „Denk nicht an… ?“ Dann denk ich automatisch dran.

Der Einfall also nicht daran zu denken, was mir fehlte, war für’n Hugo. Und ich dachte also dran, während ich an meinen Nägeln kaute, meine Frisur zerzauste, meinen Parkettboden im Auf- und Abtigern mit meinen Füßen malträtierte, wie ich nicht mehr daran denken könnte.

Und da kam ich auf eine kuriose Idee: Vielleicht würde der Entzug ja leichter, wenn sich die Sucht selber verziehen würde? (Mir hätte klar sein sollen, dass das nicht hinhaut, heißt ja nicht umsonst ENTzug und nicht VERzug) Also, wenn man der Sucht mal einen Arschtritt verpassen würde und ihr einfach mitteilen würde, dass man ab jetzt auf sie verzichten will, der Gesundheit und allem anderen zu Liebe. Und so setzte ich mich also hin und schrieb in etwa folgendes auf ein gelbes Post-it:

„Liebe Sucht, Ich bin heute draufgekommen, dass ich ohne dich nicht kann… Diese Abhängigkeit schränkt mich allerdings derart in meiner Entscheidungsfreiheit ein, dass ich es satt habe. Ich mag dich, aber ich werd jetzt dann gleich damit aufhören, nur damit du’s weißt. Deine Elsa Stern“

Zugegeben, so ganz überzeugt war ich nicht, dass das helfen würde. … Hat’s auch nicht. Ablenkung! Ablenkung fiel mir als nächstes ein… Zur Ablenkung mal alles, also wirklich alles, wegzuräumen, was einen auch nur minimalst an die Sucht erinnern könnte (Aschenbecher, Feuerzeuge, oder auch einfach nur leere Schokoladenpapierln), lenkt jetzt nicht gerade ab, muss aber trotzdem gemacht werden. Und wenn man dann noch was tut, das sinnvoll ist, dann ist man auf dem richtigen Weg. Nur war’s halt jetzt wahrscheinlich nicht konkret zielführend im Winter die Gartengarnitur abzuschleifen. Najo, zumindest hab ich mich körperlich betätigt und das gesamten bereits aufgebrachten Frostwindundwetterschutzlackzeug wieder runtergeschmirgelt… Sinnvoll geht anders, aber das hätten Sie mir in dem Moment nicht erzählen dürfen, da wären Sie dann Gefahr gelaufen, dass ich Ihnen das Schmirgelpapier einmal eine Runde um die Ohren haue.

Den Rest des Tages hab ich mich selber auch noch abgeschmirgelt, wenn Sie so wollen. Es ist nämlich so: In der Badewanne kann man selten Süchten frönen. Also hab ich viermal gebadet. Danach fühlte ich mich wie eine kleine Meerjungfrau und hab mir gleichnamigen Disneyfilm angeschaut. Disneyfilme sind zur Suchtbekämpfung super. Da kommt quasi nix böses drin vor: keine Zigaretten, kein Alkohol, keine Schokolade und die Männer schauen immer alle irgendwie ein bisserl überschminkt aus, so wie die Ken Puppen aus den frühen 90zigern.

Nachdem auch das erledigt war, war ich müde und schlief. Ich träumte von einer Zukunft, in der ich frei sein würde von der Sucht.

Am nächsten Tag wachte ich auf und fühlte mich wunderbar. Ich hatte tatsächlich bereits 17 Stunden am Stück nicht gesuchtelt. Ich war frei! Ich hatte gesiegt, über mich selber, den inneren Schweinehund, die Abhängigkeit. Pah, bitte Abhängigkeit, was ist das? Geht doch ganz leicht, ganz easy und einfach!

Ja, der Zustand hielt genau mal drei Minuten an. Man wird zu gern überheblich… also gerade dann, wenn man versucht mit etwas aufzuhören. Da kommen dann diese Stimmen im Kopf, die flüstern: „Schau so einfach, das kannst ja jederzeit… Jederzeit muss aber nicht grad jetzt sein, oder? Morgen ist auch noch ein Tag zum Aufhören.“

Auf solche Stimmchen darf man natürlich nicht hören. Leider helfen gegen sie keine herkömmlichen Ohropax, da müssen härtere Geschütze aufgefahren werden. Also her mit dem Telefon und der E. von dem Entzug erzählen. Die E. is ganz begeistert, sie hat schon längst erkannt, dass meine Obsession für mich, mein höheres mIch und auch mein Es nicht gsund ist und empfiehlt Kamillentee und ein Mantra gegen die Stimmen (Ich hätt’s wissen müssen.)

Entgegen meiner Skepsis hat das Mantra geholfen (der Tee nicht, das war mir aber eh von vorn herein klar). Den ganzen Tag lang hab ich vor mich hingemurmelt. Hätte man mich so auf offener Straße angetroffen, säße ich jetzt nicht hier, sondern mit einer schicken weißen Schnürjacke in einer gemütlich gepolsterten Zelle einer Nervenheilanstalt, aber egal.

Ich habe Tag zwei also herumgebracht… und dann war ich tatsächlich stolz auf mich! 48 Stunden! Ein Schwall von Endorphinen, eine Erleichterung… Ein Tag noch, dann wäre ich über the three days’ hump drüber… weil die ersten drei Tage (irgendwo hab ich das mal gelesen) die schwersten sind beim Aufhören. Danach hat man das Schlimmste überstanden, danach geht’s bergauf.

Der dritte Tag war jetzt blöderweise kein Feiertag mehr, sondern ein Routinetag. Da macht man das, was man immer macht. Und Süchte sind ja nicht zuletzt deswegen so gemein, weil sie sich als Gewohnheit einschleichen. Man ist also gewohnt, aufzustehen, einen Kaffee zu trinken und dazu eine Zigarette zu rauchen zum Beispiel. Man muss der Gewohnheit und damit also auch der Sucht aus dem Weg gehen. Das gelang gut und war mir allein deswegen unheimlich.

Bis zum Abend blieb ich stark! Super! Bis zum Abend… Am Abend hat die Versuchung bei mir angeklopft. Die Versuchung ist eine blöde Funsn, wenn Sie mich fragen, die kann alles kaputt machen, sogar den eisernsten Willen. Die stellt alles in Frage. Die Versuchung in Form einer Notfallration Schoki aus dem Jahre Schnee, den man mal gebunkert hat für schlechte Zeiten, eine Zigarette, die irgendwo liegt, wo sie garantiert niemand vermutet hätte oder ein Anruf von dem Mann, dem man eigentlich entsagen wollte…Und wenn der Mann Herr Q heißt, dann bedeutet das per se nichts Gutes für den Entzug.

 

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