Blog-Sommerpause – oder warum es ab 01. September weitergeht


Der #sternderlblog pausiert bis 01.09. Dann geht‘s mit Schwung und neuen Eskapaden weiter. Bis dahin ist #fräuleinstern allerdings nicht untätig und feilt fleißigst an dem Kapitel ihrer Memoiren, in dem Sie Herrn Q kennengelernt hat. Das Mysterium wird gelüftet… man darf gespannt sein! Wer die Sommerpause mit vergnüglicher Lektüre verbringen will, kann entweder im Archiv des Blogs oder aber im Programm meines absoluten #lieblingsverlag s @verlag_schriftstella fündig werden. Schönen Sommer allseits!

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Schottische Séance mit Hund – oder warum Nessie im Steinkreis abtaucht und Herr Q nicht in Frieden ruht


Wenn Sie jetzt glauben, das Speed-Dating von der A., das Aufwachen neben einem Schotten und die Nachricht des Herrn Q, dass er für zwei Wochen bei Irene einzieht, wären jetzt schon die Highlights meiner Schottlandreise gewesen, dann darf ich Sie hiermit eines Besseren belehren.

Immerhin hatte sich ja nicht nur die A. angetragen, mir meinen Schottland-Aufenthalt angenehm zu gestalten (die Betonung liegt auf gestalten und NICHT auf angenehm), nein auch die E. hat ihr Schäuferl dazu beigetragen. Und was für ein Schäuferl, man könnte glatt von einem Schaufelbagger der anderen Art reden.

Nachdem ich die Einladung vom Barmann Dan auf ein frisch frittiertes Snickers zum Frühstück (nein, das ist KEIN Euphemismus für irgendwas sondern: Ja, sowas gibt’s in Schottland tatsächlich zum Essen!) ausgeschlagen habe, hat der sich ein bisschen beleidigt verzupft. Er hat noch eine Einladung ausgesprochen, die mich wohl animieren sollte, ihn am Abend wieder im Pub aufzusuchen, nur leider hatte ich dafür keine Zeit, denn die E. hatte schon etwas anderes geplant. Die E. nämlich hatte gegoogelt und recherchiert und herausgefunden, dass Edinburgh „the most haunted city“ in ganz Großbritannien ist und hat mich deswegen „um meine feinstoffliche und übersinnliche Wahrnehmung zu sensibilisieren“ auf Geisterjagd geschickt, nicht ohne mir vorher noch eine schöne Bustour durch die Highlands mit Abstecher zum Monsterfangen nach Loch Ness zu buchen. Wie sagt man so schön? Wenn man solche Freunde hat, braucht man keine Feinde mehr.

Ich saß also kurz nach dem Frühstück (Aspirin mit Kaffee), in einem Bus mit lauter anderen Touristen und ließ mich bei anhaltendem Nieselregen und anhaltender Dudelsackbeschallung durch die Buslautsprecher durch die Landschaft kutschieren. Zumindest hatte ich im Bus, während die schottischen Hügel so vor den Fenstern an mir vorüberzogen, Zeit mir eine Antwort auf Herrn Qs Irene-Botschaft auszudenken. Ich habe kurz auch überlegt, ihn anzurufen, den Q, und ihm zu sagen, was ich davon halte, dass er sich zwei Wochen bei einer Frau einquartiert, die sich vor nicht ganz drei Jahren in einem Verzweiflungsmanöver mit ihm verloben wollte und mit der er seither in einer Beziehung mir zweifelhafter Natur war. Andererseits hatte ich irgendwie das Gefühl, dass mir Herr Q eventuell an der Stimme anmerken könnte, dass ich selber jetzt so rein technisch auch nicht gerade die Treue in Person war, was die Sache mit dem Dan anging. Nochmal andererseits kenne ich den Dan aber  nicht schon jahrelang und habe daher keine gemeinsame Vergangenheit mit ihm. Und außerdem „gönnt mir der Q ja alles, was mich glücklich macht“.

Bei Ankunft in Fort Augustus, wo das Boot zur Nessie-Besichtigung ablegte, hatte ich aber nach zweistündiger Grübelei schließlich eine Antwort erdacht, von der ich sicher war, dass sie Herrn Q zumindest das eine Mal dazu anregen würde, mir umgehend zu antworten. Eloquent wie selten zuvor in meinem Leben textete ich also folgende WhatsApp Nachricht: „Wenn du bei Irene einziehst, bist du für mich gestorben“ und zwar ohne Satzzeichen! Z’Fleiß! Nur um danach auf Nadeln zu sitzen, weil es auf dem vermaledeiten Ausflugsdampfer keinen gescheiten Empfang gab. Nur am Rande möchte ich erwähnen, dass ich selten mit so vielen komischen Leuten in einem Boot gesessen hab, die mittig vom See allesamt davon überzeugt waren, wirklich ein See-Monster gesehen zu haben. Die Aufregung war groß, die Handykameras waren überall und ich bin jetzt auch zuversichtlich, dass es einem der Anwesenden mit Sicherheit gelungen ist, den absoluten Beweis für die Existenz von Nessie aufgenommen zu haben. Und wenn schon nicht das, dann haben zumindest ganz viele Touristen an dem Tag ein schönes Foto von einem vor sich hintreibenden Baumstamm gemacht. Auch was, von dem man seinen Ekeln noch erzählen kann: „Damals in Schottland haben deine Oma und ich einem Baumstamm beim Schwimmen zugeschaut und ihn mit einem urzeitlichen Ungetüm verwechselt.“ – herzlichen Glückwunsch!

Zurück an Land und auf der nächsten Station der Highland-Rundreise, nämlich in  Inverness schließlich habe ich wieder genug Empfang, um zu merken, dass der Q sich nicht gemeldet hat geschweigedenn die Nachricht überhaupt gelesen hat, was mich allerdings in Inverness nur so peripher tangiert hat. Ich war dort nämlich auf der ernsthaften Suche nach einem Schotten, der zumindest entfernt so ausschaut wie Sam Heughan, dem Jamie aus Outlander. Auf diese originelle Idee bin ich leider nicht als Einzige gekommen. Das hab ich spätestens gemerkt, als ich im Souvenirshop vor einem leeren, weil ausverkauften Regal an „House Frasier“ Merchandise Fanartikeln stand. War irgendwie nicht mein Tag… der Steinkreis war auch bereits besetzt und bot allein schon deswegen keine Gelegenheit, um den Plan mit dem Reisen in die Vergangenheit ernsthaft umzusetzen. Auf der Rückfahrt nach Edinburgh war ich also reichlich desillusioniert von meinen Outlander-Fantasien und noch mehr desillusioniert von meiner Handyakkulaufzeit. Geschwächt von meinem anhaltenden Gestarre auf den Bildschirm und dem Aufrufen der WhatsApp-App, um zu überprüfen, ob der Herr Q meine Nachricht schon gelesen hat (hat er nicht), hat der Akku nämlich w.o. gegeben und zwar kurz bevor der Bus bei einer Whiskey-Destillerie Halt gemacht hat. Und ich muss ja sagen, wenn der Ausflug bis dahin auch nicht so recht nach meinem Geschmack war, die Degustation in der Destillerie und der Whiskey waren’s dann doch. Leicht angedüdelt, weil Whiskey einfach zu stark ist für jemanden, der sonst nur dem Eierlikör frönt, aber formidabler Laune bin ich dann wieder in Edinburgh angekommen.

Allerdings hatte ich keine Zeit vor dem nächsten Programmpunkt noch ins Hotel zu eilen und das Handy aufzuladen. Auf die Nessie-Desillusion und die Steinkreis-Session folgte nämlich noch ein Gänsehaut-Abenteuer der anderen Art. Nach dem Motto: „Die Geister, die ich rief, die werd ich nicht mehr los“ hat mir die E. noch eine schöne Gespenster-Tour durch den Mary King’s Close eingebrockt. Das ist so ziemlich der am meisten von Geistern heimgesuchte Ort im Zentrum von Edinburgh, der für Touristen gegen einen moderaten Selbstkostenanteil von 15 Pfund zugänglich ist. Und ja, es war schon gruselig, irgendwie, in diesen Katakomben artigen Gängen herumgeführt zu werden, wo im Jahre schieß mich tot, das hab ich mir jetzt wirklich nicht gemerkt, die Pestopfer eingesperrt wurden.  Und neben den gruseligen Anekdoten, die vom Guide dargebracht wurden, gab das auch historisch sehr interessante Einblicke – Bildungsauftrag also erfüllt. Allein die Tatsache, dass bei meiner Führung kein echter Geist zugegen war, der einem kalte Schauer über den Rücken hätte laufen lassen, trübte diese  Erfahrung dann doch ein bisschen. Da hatte ich mir deutlich mehr erwartet, aber vielleicht lag’s ja auch einfach nur an mir und meiner nicht vorhandenen Sensibilität für Seelen, die keinen Frieden finden.

Diese Sensibilität sollte an dem Abend aber eh noch gestärkt werden. Die E. hat mich nämlich, weil das gibt’s in Schottland zu Hauf, zum Abschluss des Thementages: „Monster und Geister“ bei einer Séance mit international renommierten Medium eingebucht. Das „international renommiert“ und auch das „seriös“ versprach zumindest der Flyer von Madame Estelle. Die schweren Brokatvorhänge in dem alten viktorianischen Salon mit knisterndem Kamin und die mysteriös flackernden Kerzen, mit denen dieser  Schauplatz der Séance ausgeleuchtet war, versprachen zumindestens vom Ambiente her eine kleine Zeitreise zur Jahrhundertwende, in denen Séancen ja schwer in Mode waren. Ich vermute, dass hier später sicher auch noch eine Nebelmaschine zum Einsatz kommen wird, die sich vermutlich hinter den Vorhängen versteckt. Leider kann ich nicht nachschauen, weil außer mir auch schon die anderen Séance-Teilnehmer zugegen sind und ich will ja hernach nicht als Schuldige dastehen, wenn es heißt, dass die Kontaktaufnahme zum Jenseits daran scheitert, dass eine Person in der Runde nicht an den ganzen Hokuspokus glaubt.

Die große Wanduhr neben dem Kamin schlägt Punkt elf Uhr, als die Anwesenden gebeten werden um den großen Mahagonitisch Platz zu nehmen und das Medium Madame Estelle in wallendem, seidenen Morgenmantel mit einem solchen Pathos ins Zimmer schwebt, dass ihr alleine dafür ein Oscar gebührt hätte. Nachdem sich das Medium auf ihrem Platz eingerichtet hat (ich hab das Glück ihm genau gegenüber zu sitzen), werden alle Anwesenden aufgefordert sich die Hände zu reichen, damit die Verbindung zum Jenseits hergestellt werden kann. Dann soll man die Augen schließen und sich konzentrieren. Ein bisschen stört mich bei der Konzentration, dass ich a) gar nicht weiß, worauf ich mich eigentlich konzentrieren soll und b) das Medium mir gegenüber plötzlich sehr schwer zu atmen beginnt. Also, wenn ich nicht mehr gewusst hätte, dass ich mich bei einer Séance befinde, Sie hätten mir in dem Moment auch erzählen können, dass ich im Zoo einem Elefantenbullen bei der Zeugung eines Elefantenbabys zuhöre, ich hätte das ungschaut geglaubt.

Dann plötzlich spricht das Medium mit heiserer Stimme: „Dolores? Hier ist ein Theo, der mit Dolores sprechen möchte.“

Dolores ist geschätzt 86, wirkt sehr distinguiert, zittert aber am ganzen Leib, als sie hört, dass ihr Name aufgerufen wird: „Theo, mein Liebster?“

Und wenn Sie jetzt sagen: Aber bitte, das ist doch sehr romantisch, eine alte Dame und ihre große Liebe, wahrscheinlich waren sie viele Jahre verheiratet oder haben sich, noch tragischer, überhaupt nie geheiratet, weil das Schicksal es nicht gut mit ihnen meinte, dann möchte ich Sie nur der Vollständigkeit halber darauf aufmerksam machen, dass es sich bei Theo um den Border Collie von Dolores handelte, der kürzlich das Zeitliche gesegnet hat. Also Entschuldigung, dass ich da laut und ausdauernd lachen musste, als das Medium Dolores die Nachricht von Theo in theatralischer Weise mit einem lang gezogenen Jaulen und ein paar angehängten Wuff-Wuffs überbrachte.

Das hat mir natürlich böse Blicke aus der Runde eingebracht. Wenn Blicke töten könnten, dann hätte ich ob der Augen von Madame Estelle, bald selber über sie mit meinen Hinterbliebenen kommunizieren können. Mein Lachanfall war wahrscheinlich auch der Grund, warum wenig später fast niemand mit mir Mitleid hatte, als ich aus meiner Ohnmacht wieder aufgewacht und einem hysterischen Weinkrampf erlegen bin, weil der nächste verstorbene Gesprächspartner mir heute morgen noch sehr lebendig eine WhatsApp geschrieben hat. Kurz vor meiner Ohnmacht war da ein Windstoß von ich weiß nicht woher, Madame Estelle zuckte kurz, riss dann ihre Augen soweit auf, dass man hätte meinen können, die Augäpfel fallen gleich heraus, starrte genau mich an und sagte mit tiefer, männlicher Stimme: „Elsa, ich bin’s, Herr Q“

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Re-bound-Zynismus-Hygiene – oder warum arthritische Platzhirschen, Hobbit-Hotelierssöhne & Co zu den internationalen Phänomenen beim Speed-Dating zählen.


Bevor jetzt wieder jemand schreit: „Nein, wie frivol, das Fräulein Stern! Ist keine 24 Stunden in Schottland und wacht schon neben einem Schotten auf! Und dann schreibt sie das auch noch öffentlich ins Internet!“, lassen Sie mich bitte erklären, wie es dazu kam (und Ihnen vorher noch sagen, dass Sie sich wie meine Mutter anhören! Falls Sie meine Mutter sind: Mama, du sollst hier nicht mitlesen!! Ernsthaft jetzt!) Wie kam’s?

Genaugenommen ist es in erster Linie die Schuld von Herrn Q und dann auch noch die von der A. Wenn der Herr Q nämlich seinen Pflichten als Verlobter-in-spe nachgekommen wäre und mir auf meine Nachricht früher geantwortet hätte,  dann wäre es gar nicht so weit gekommen, dass ich grantig auf ihn gewesen wäre und ich in Folge dieses Grants auf die A. gehört hätte.

Die A. meinte nämlich mir abseits der Business-Class-Flüge noch einen besonderen Gefallen tun zu müssen und hat mich, weil ihr nichts Gscheiteres eingefallen ist, bei einem schottischen Speed-Dating angemeldet. Sie hat mir diese Anmeldung verständlicherweise verschwiegen, weil sie gewusst hat, was sie erwartet hätte, wenn sie mir das Speed-Dating life und in Farbe auf’s Aug gedrückt hätte: Meuchelmördern ist ein Hilfsausdruck dafür, was ich mit ihr gemacht hätte.

Wie bereits erwähnt, war mein Plan A ja eher das Ding mit dem Steinkreis und der Zeitreise… (ich hab mir vor dem Abflug nach Edinburgh auch extra noch mal die ersten zwei Staffeln Outlander reingezogen – rein zu Recherchezwecken versteht sich, nicht, weil ich einen heimlichen kleinen Fangirl-Crush auf Sam Heughan hab!)

Gut, den Plan A konnte ich mir aufpinseln, denn die A. hatte einen Plan B – Speed-Dating in schottischer Pub-Amosphäre, mit lauter Schotten, die nicht so aussahen wie Sam Heughan. „Sternderl, du brauchst Re-bound-Sex! Sonst wirst du zynisch.“, war die lakonische Antwort der A., als ich sie gefragt habe, ob ihr jemand ins Hirn g’schissn hat. Die Argumentation, dass ich sonst zynisch werde, hat mich außerdem an die Snickers-Werbung erinnert, nur anstatt mir einen Schokoriegel  in den Mund zu stecken, glaubt die A., dass ich mir lieber einen Klaus… also, Sie wissen, was ich meine. Auf die berechtigte Frage „Wie bitte?“ kam ein mehrseitiger WhatsApp-Aufsatz von ihr zurück mit geschätzt über 50 Gründen, warum „Re-bound-Sex“ rein psychohygienisch und überhaupt das einzig Richtige für jemanden „in meiner Situation“ sei. Ich hab nicht nachgefragt, was sie mit „meiner Situation“ genau meint. Ich hab nur eins gewusst: Wenn ich mich entscheiden muss zwischen Herrn Q und 12 Schotten, dann würde ich mich immer für ihn entscheiden… allerdings nicht, wenn er sich nicht zuvor entscheiden kann, ob er mir auf eine Nachricht antwortet oder nicht!

Und so saß ich nach einem kurzen Zwischenstopp im Hotel nicht wirklich erwartungsvoll, aber doch ein wenig aufgeregt in einem Pub der gediegeneren Sorte. Dort erklärt mir dann eine Mitzwanzigerin mit mondänem, lackschwarzen Pagenkopf gleich überaus freundlich, wie das schottische Speed-Dating funktionieren sollte. Und es ist jetzt eh nicht so, dass es anders funktioniert, als ein österreichisches Speed-Dating. Als Dame wird man also an einen Tisch gesetzt und kriegt eine Nummer. Und weiters kriegt man einen Zettel in die Hand gedrückt, auf dem man die Männer aufnotieren und ihnen ein Kreuzchen bei „Yes“ oder „No“ verpassen kann. Und jetzt dürfen Sie dreimal raten, an was mich diese Ja / Nein Kasterl erinnert haben… nein, nicht daran, dass ich beim wöchentlichen Lottoschein den Joker ankreuzen soll! Natürlich an Herrn Qs Heiratsantrag und auch daran, dass er mir fehlte. Er fehlte mir plötzlich so schrecklich, dass ich am liebsten aufgestanden und gegangen wäre und einen Flug nach München genommen hätte… andererseits: Wenn er nicht auf eine Ja/Nein-Frage antworten kann, dann stürze ich mich sicher nicht in Unkosten und buche meinen Flug um! Außerdem hatte der Pagenkopf was dagegen, dass die Damen abhauen. Es sind nämlich ob der etwas reifer als angekündigten Herren schon ein paar Frauen abhanden gekommen, die ich, wenn ich mir das Angebot so von Weitem anschaue, gerade beneide, weil sie die richtige Entscheidung getroffen haben.

Leider, so der Pagenkopf, wären kurzfristig ein paar Teilnehmer ausgefallen und so musste ein klein wenig umdisponiert werden. „Umdisponiert“ definierte sich als altersgemischte Gruppe von Flirtwilligen zwischen 25 und 65, wobei die Herren in der Runde allesamt deutlich über 45 waren.  Sie können mir jetzt gern vorhalten, dass ich oberflächlich bin, aber beim dritten Schotten, der geraden, wenn auch schon arthritischen Schrittes auf die Fünfzig zuging und als Eröffnungssatz mit lechzenden Blicken in meinen Ausschnitt was von wegen das sei ihm jetzt wirklich ganz zu blöd und peinlich, dass die Speed-Dating-Agentur das mit den Altersgruppen anscheinend falsch geplant hatte… sagte, hab ich dann kurzerhand eine Beschwerde-WhatsApp an die A. formuliert. Die hatte leider kein Verständnis. „Wenn’s dir nicht passt, dann such dir doch selber einen adäquaten Schotten, bei dem du rausfinden kannst, was er unter seinem Rock hat!“, war die beleidigte Antwort der A.

Die A. ist also keine Hilfe, was den verpatzten Abend betrifft, den ich mit 11 „Dates“ aus der Kategorie „ganz schlimm“ verbringen musste. Hier nur ein paar Highlights, die sich, das ist glaub ich eine internationale Regel bei solchen Veranstaltungen, immer unter den männlichen Kandidaten von Speed-Datings ausmachen lassen:

  1. Der Platzhirsch: Er ist nur deswegen Single, weil er „eh jede haben kann“ (oder es zumindest versucht – auch ein Zeichen von Verzweiflung, wenn man mich fragt). Meistens besitzt der Platzhirsch einen fahrbaren Untersatz der Marke „Vollproll“, hat einen Fuchsschwanz am Rückspiegel hängen und ist sich sicher, dass ihn alleine das schon als „Traummann“ qualifiziert. Nicht anders ist es zu erklären, dass er einem nach dem obligaten Eröffnungssmalltalk gleich ein paar Fotos von sich und seinem Gefährt unter die Nase hält und fragt, ob man nicht geneigt wäre, auf eine kleine Spritztour mitzukommen.

Das weibliche Pendant zum Platzhirsch ist übrigens das Trutscherl. Sie ist nur deswegen Single, weil sie „eh jeder haben kann“. Das Trutscherl ist eine stereotype Blondine, zumindest im Geiste blond geblieben, auch wenn die mahagoniefarbene Tönung ein schönes Ergebnis erzielt hat und ihren IQ zumindest optisch um die eine oder andere Nuance aufwertet. Das Trutscherl und der Platzhirsch finden erfahrungsgemäß im Laufe des Abends zueinander, weil’s einfach passt.

2) Der Freak: Bei den Freaks handelt es sich um unauffällige Herren. Meistens haben diese  einen schrecklich öden Beruf, den sie mit schrecklich ausgefallenen Hobbies auszugleichen versuchen. Getreu dem Motto: „Von Hobby zu Hobbit ist‘s ned weit“ traf ich an diesem Abend in Schottland auf einen Herren namens Scott von Beruf Steuerberater und in der Freizeit begeisterter Fantasy-Rollenspieler. Und zwar nicht nur virtuell, sondern auch ganz in real. Eine seiner sexuellen Fantasien, so meinte er, sich die Nickelbrille auf seiner knolligen Hobbitnase zurechtrückend, wäre es, von einer amazonenhaften Zelda-Prinzessin dominiert zu werden. Das „No“ auf meinem Speed-Dating Lottoschein, war selten schneller angekreuzt!

3) Der Frisch-Geschiedene: Es ist reiner Masochismus, der ihn eine Veranstaltung wie diese nur 3 Wochen nach der Scheidung und dem Sorgerechtsverlust an der geliebten Gigi (einer nordsiamesischen Faltenkatze) besuchen lässt. Wahlweise ist der Geschiedene besonders zynisch was das Vorhaben sich neu zu verlieben betrifft, oder aber er heißt Sean und bricht einfach ungehemmt in Tränen aus, weil ihn die liebevoll arrangierten Plastikblümchen daran erinnert, dass seine Ex-Frau ihn mit dem Gärtner des Nachbarn betrogen hat. Es hilft im Übrigen nicht, die Vase zu entfernen, da weitere Gegenstände den Tisch säumen, die assoziativ alte Wunden aufbrechen lassen (loderndes Teelicht – der Feuerwehrmann, der das lodernde Feuer der Leidenschaft bei seiner Ex entfachte, anstatt es zu löschen, zu Fächern aufdrappierte Stoffservietten – das Leintuch, so wie es dalag, als die Ex mit dem Briefträger drauflag und der Sean früher als geplant von Geschäftsreisen nach Hause kam.) Es ist nicht leicht, den Sean zu trösten, v.a nachdem mein Vorrat an Papiertaschentüchern aufgebraucht ist und ich ihm die Fächerserviette zum Schneuzen anbiete, ist es ganz aus und vorbei mit ihm.

4) Der Hotelierssohn: Er klingt nach einer „guten Partie“, hat den Titel allerdings nur daher, dass er mit seinen 43 Jahren noch immer im „Hotel Mama“ wohnt – es is halt so praktisch so lang er noch nicht die Richtige gefunden hat und die Mietpreise sind ja auch so horrend, das darf man nicht vergessen, da ist’s zu Haus schon günstiger. Schauderhaft das Bild, das sich bietet, als die Hotelbesitzerin das Speed-Date unterbricht, den Sohn flüsternd zur Seite zieht und ihm einsagt, was er auf seinem Zettel anzukreuzen hat.

5) Der Fetisch-Knabe: Er hält sich für Mr. Grey, allerdings zeichnen sich seine 50 Shades nur unter den geröteten Augen ab, die daher rühren, dass er zu viel stimulierende Videos auf einschlägigen Internetseiten konsumiert hat. Weil er öffentlich nur ungern zu seinen Vorlieben steht und nicht erkannt werden möchte (sein soziales Umfeld würde das nicht goutieren), kommt er zum Speed-Event in voller Lack-Montur inklusive schwarzer Batman-Maske, die mir die Frage entlockt, ob er eh eine gute Anreise aus Gotham-City gehabt hat.

Sie sehen also: Es blieb mir im Endeffekt gar nichts anderes übrig, als meinen Frust nach dieser Veranstaltung an der Bar in einem Cider zu ertränken und dem eifrig nachschenkenden Barmann mein Herz auszuschütten. Und da das Herz des Fräulein Stern gerade an diesem Abend total voll war, dauerte das. Es dauerte bis zur Sperrstunde und dann sah sich der Barmann irgendwie verantwortlich und hat mich armes, weil alleinreisendes und mich in der fremden Stadt nicht auskennendes Sternderl, in mein Hotel gebracht. Und nur um sich zu vergewissern, dass ich auch wohlbehalten ins Bett komme, hat er mich ins Zimmer begleitet, der Dan. Und nur um zu verhindern, dass ich nachts aus dem Bett falle, hat er sich zu mir gelegt, der Dan. Und nur weil er dann eh schon mal da war, hat es sich dann eben ergeben, dass er am nächsten Morgen neben mir aufgewacht ist, der Dan…

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