BREAKING NEWS!!! – DER ROMAN ZUM BLOG


*BREAKING NEWS*BREAKING NEWS*

Liebe, Männer, Eierlikör … und andere Katastrophen

Der Roman zum Blog

ab 14.02.2020 überall im gut sortierten Buchhandel!


Jetzt ist die Katze aus dem Sack! Die letzten Monate hat Fräulein Stern an einem ganz besonderen Projekt gestrickt und jetzt ist es fertig: Das lang erwartete Buch zum Blog!

Wer sich schon immer mal gefragt hat, wie sich Fräulein Stern und ihr Herr Q eigentlich kennengelernt haben und warum es so was wie Schicksal ist, dass die zwei zusammengehören (oder auch nicht), der kann die ganze Geschichte nun auf 260 Seiten nachlesen. Ganz ohne auf die Fortsetzung warten zu müssen. Möglich gemacht hat das der famose Verlag SchriftStella!

Und ganz nebenbei werden – so wie Sie das schon gewohnt sind – auch die wirklich wichtigen Fragen, die die Welt bewegen, erörtert. Wenn Sie sich also auch schon immer mal gefragt haben,

  • warum die schönsten Liebesgeschichten nicht selten mit einem Zivilrechtsprozess oder zumindest einem Gespräch über Gynäkologen und alternde Eierstöcke beginnen.
  • warum Herr Q eigentlich ausgerechnet „Herr Q“ heißt
  • warum es keine gute Idee ist, einen Winkel-Advokaten einzustellen, dessen einzige Kompetenz es ist, ein Äffchen-Emoji nachzumachen.
  • warum es ebenfalls keine gute Idee ist, mit der E. Geister in angeheitertem Zustand zu beschwören und dieses Erlebnis schriftlich in seinem Tagebuch aufzuarbeiten
  • warum „The System“ auch nicht gegen ein Sternderlchaos vom Feinsten hilft
  • warum es immer nur für andere lustig ist, wenn man im Tülltutu eine Nahtoderfahrung vor Mozarts Geburtshaus hat
  • warum eine Mutter, die in Anwesenheit des Pfarrers und der Tante Henriette ein Schwiegersohn-Casting organisiert, eine Mutter ist, die man nicht sein eigen nennen möchte
  • warum man immer ein bisschen aufpassen sollte, wenn man einem Geburtstagsclown die Hose flickt
  • warum man einen Latexsklaven in der Wohnung nicht unbedingt seiner Mutter vorstellen sollte
  • warum es ein Albtraum sondergleichen ist, wenn man auf die Hochzeit von Cousine Helene mit ihrem Klaus mal wieder alleine antanzt
  • warum man sich solche Fragen tunlichst nur stellen sollte, wenn man ausreichend Eierlikör im Haus hat

, dann sollten sie das Buch lesen! Es ist auch ganz gut geworden und stellenweise sowas wie lustig. Sagen zumindest Leute, die’s schon gelesen haben.

Ich wünsche Ihnen vergnügliche Lektüre mit dieser Liebeskomödie in 13 Katastrophen!

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Zu Risiken und Nebenwirkungen – oder warum Fräulein Stern im Fieberwahn zu kuriosen Ideen neigt


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Ich war ja letzthin krank, daher gab es auf dem Blog auch so wenig Neues nachzulesen. Aber glauben Sie mir, Sie wollen nicht alles lesen, was ich mit 39 Grad Körpertemperatur so vor mich hin fantasiere. Wahrscheinlich war der grippale Infekt, der mich heimsuchte, zurückzuführen auf die Absenz regelmäßig oral verabreichter Bazillen in Form von Zungenküssen – wegen der Stärkung des Immunsystems wär’s gewesen.
Gut, mein Hausarzt hat das anders gesehen und mir etliche pharmazeutische
Produkte ans Herz gelegt und via Rezept verschrieben. Daraufhin bin ich in die
Apotheke meiner Wahl gewankt und habe dort ein halbes Vermögen in die chemischen Wiedergesundmacher investiert.

Als ich da so in meinem Fieberwahn zu Hause saß und vor mich hinschnäuzte, war mir entsetzlich fad. So fad, dass ich zur Lektüre die Beipackzettel der mir verschriebenen Pülverchen und Mixtürchen heranzog, was einige erstaunliche Entdeckungen zu Tage förderte. Ein wahres Aha-Erlebnis der anderen Art hatte ich als ich im Beipackzettel meines Antibiotikums folgendes las: „Wofür wird K*** U** angewendet? 1) Infektion der unteren Atemwege 2) Rachen- und Nasennebenhöhlenentzündung 3) Infektionen der Haut und Weichteile wie z.B.: ZELLULITIS“ – Zellulitis! Das stand da wirklich, das hab ich nicht halluziniert! Und ich muss auch wirklich sagen: Nach einwöchiger Kur sind meine Schenkelchen deutlich straffer! Insofern muss ich mal wieder bekennen: Anscheinend ist alles für was gut.

Zurück zum Thema: Beipackzettel. Bei Lektüre ebenjener kam mir eine ganz wunderbare Idee: Wäre es nicht großartig, wenn jeder von uns sowas wie einen Beipackzettel mit sich führen würde? Gerade die Singles unter uns, würden sich Unmengen an Zeit und Enttäuschung sparen, wenn man einfach zu Risiken und Nebenwirkungen des potentiellen Lebensabschnittspartners in dessen Hosentasche fassen und den darin enthaltenen Beipackzettel konsultieren könnte!

Ich hab mir mal den Spaß erlaubt, ein solches Dokument für mich selber zu verfassen und möchte den lieben Bloglesern das Ergebnis nicht vorenthalten:

BEIPACKZETTEL FRÄULEINSTERN®

Zusammensetzung: einigermaßen ansprechende Verpackung, synthetische
Intelligenzersatzmittel, 0,05 mg Ironie/Sarkasmus pro abgegebenem Statement,
künstliche Aromastoffe (Acqua di Parma Gelsomino Nobile), 65% Ehrlichkeit, 35% Selbstironie, 5%leichte Selbstüberschätzung, 0,0% mathematisches Talent

Wirkungsweise: FräuleinStern® beeinflusst bei regelmäßiger Anwendung in der
vorgeschriebenen Dosierung vor allem die Hirn- und Lendenfunktion, regt
geistreiche Gespräche an, erhöht bei Überdosierung allerdings den Rotwerdfaktor
und kann sich auf das Herz-Kreislaufsystem (Schwärmerei, Sehnsucht, Herzrasen
oder Schlimmeres) auswirken.

Einnahme:
FräuleinStern® kann äußerlich und innerlich sowie auch als Badezusatz verwendet
werden.
Die Einnahme von FräuleinStern® darf nicht eigenmächtig abgebrochen werden, da es
sonst zu allergischen Reaktionen (klammern) kommen kann. Brechen Sie die
Anwendung nur dann ab, wenn es zu Nebenwirkungen kommt. Konsultieren Sie vor
Abbruch der Einnahme unbedingt ihre Hausbar.

Dosierung:
Die vorgeschriebene Dosierung von FräuleinStern® sollte genau eingehalten werden, da
es sonst zu Schlaflosigkeit, Übermüdung, Konzentrationsschwierigkeiten und
Ausgelaugtheit kommen kann.

Hinweise zur Lagerung:
FräuleinStern® sollte nach Möglichkeit an einem warmen, trockenen Platz gelagert
werden. Vermeiden sie den direkten Kontakt mit anderen Singlepräparaten, da
dies die Treuehaltbarkeit verkürzen kann.

Vorsichtsmaßnahmen zur Anwendung und besondere Warnhinweise

Verträglichkeit:
Zur besseren Verträglichkeit empfiehlt es sich, FräuleinStern® nicht am
Sonntagvormittag, generell in der Früh oder während ihres Schönheitsschlafs
einzunehmen.

Folgende Personen sollten FräuleinStern® nicht verwenden:

Das Präparat FräuleinStern® ist prinzipiell nur für Männer zugelassen. Sollten sich
Frauen im gemeinsamen Haushalt aufhalten, so sollten Sie FräuleinStern® unbedingt
unter dem Bett oder im Kleiderschrank verstecken.

Für Kinder unter 30 Jahren unerreichbar aufbewahren.

Negative Nebenwirkungen konnten auch bei Probanden ab 45 festgestellt werden: FräuleinStern® eignet sich nämlich leider nicht zur Therapie der Midlifecrisis, führt
allerdings manchmal zum verfrühten Eintreten ebendieser.

Ebenso sollten Sie auf die Einnahme von FräuleinStern® verzichten, wenn

– Sie FräuleinStern® nur als zeitweises Ersatzpräperat an Stelle eines anderen LAPs
verwenden wollen und/oder glauben FräuleinStern® nur einmalig anwenden zu können und
sich dann nie wieder melden zu müssen.

– Sie generell die Tendenz haben Geburtstage, Valentinstage oder andere
Geschenkrelevante Feiertage zu vergessen

– Sie außer dem Telefonbuch noch nie ein Buch von innen gesehen haben.

– Ihr Horizont vor Ihrer eigenen Nase aufhört

– Sie glauben, dass Niveau eine Hautcreme ist

– Sie ein empathisches Nackerbatzerl sind und sich dieser Blöße nicht einmal genieren.

– Sie glauben, dass Diskussion eine olympische Disziplin im alten Griechenland
war, bei der es um Tonscheibenweitwurf ging

Nebenwirkungen:

Versuchen Sie Ihrer Gesundheit zu Liebe nicht alle Gedankengänge von FräuleinStern®
nachzuvollziehen. Dies kann zu leichter bis schwerer Verwirrung führen.

FräuleinStern® kann quengelig werden, wenn sie ihren Willen nicht durchsetzen kann
oder ihre Neugier nicht befriedigt wird und Ihnen dann schwer auf die Nerven
fallen.

Fühlt sich FräuleinStern® nicht genügend gewürdigt, wird sie das Weite suchen. Stellen Sie daher sicher, dass Sie der Anwendung genügend Aufmerksamkeit schenken.

Im Allgemeinen wird FräuleinStern® allerdings recht gut vertragen, vor allem nach
einer kurzen Gewöhnungsphase.

In Kombination mit Alkohol kann FräuleinStern® neben einer leichten Änderung des Bewusstseinszustandes auch folgende Nebenwirkungen haben: ungenierte Ehrlichkeit, komplizierte, nicht nachvollziehbare Denkansätze, syntaktisch verworrene, elendslange Sätze, ein übersteigerter Kommunikationsdrang.

Kombinieren Sie FräuleinStern® nie mit kitschigen oder schnulzigen Komplimenten.
Ehrliche Komplimente mit Wirklichkeitsbezug können dahingegen den
Behandlungserfolg steigern.

 

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und meinem Beispiel folgen möchte, dem empfehle ich die Einnahme von drei Dosierbechern voll alkoholhaltigem Hustensaft ex – es schreibt sich dann nämlich in der Tat gleich viel bisserl flüssiger.

 

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Silvesteralbtraum – oder warum ich der Grund dafür bin, dass es keinen Weltfrieden geben wird.


Es ist Silvester und ich bin eigeladen bei Doris und Waldemar. Ihres Zeichens Freunde von mir, ich bin mir da ja nicht mehr so sicher. Eigentlich schon seit mich die Doris zur Patentante von ihrem (unehelichen) Kind, dem Eugen-Marcell ernannt hat. Das war noch vor der Zeit von Waldemar. Damals war die Doris gerade frisch vom Kindsvater, einem gewissen Edvard mit V, verlassen worden und ich hatte ihr meine Schulter und mein Ohr zum Ausweinen geliehen. Und weil die Doris glaubte, dass jemand, der so freigiebig mit seinen Körperteilen ist, sicher auch eine supergute Patentante abgibt, hat sie mir eben diesen Titel aufgebrummt. Sie hat nur leider übersehen, dass ich nur bedingt mit Kindern kann. Ja, sie sind eh lieb und so, nicht aber, wenn sie Eugen-Marcell heißen. Dann sind sie… besonders. Und das sage ich nur, weil ich denke, dass Begriffe wie verhaltensoriginell und hyperaktiv zu inflationär gebraucht werden. Der Eugen-Marcell ist nur ein Grund dafür, warum ich schon im Vorhinein wusste, dass es eine blöde Idee war die Einladung von der Doris für Silvester anzunehmen.

Allerdings hatte sich auch bis zur letzten Minute keine Alternative ergeben. Es sei denn Sie zählen eine Einladung von Herrn Q in ein romantisches Alpen-Chalet als Alternative. Tun Sie? Tun Sie’s auch dann, wenn diese Einladung zwei Tage vor Silvester per E-Mail bei Ihnen eintrudelt und mit der Zeile schließt: „Irene und ich würden uns freuen, wenn du Zeit hast.“? Da hätte ich als Alternative noch eher ein paar Grippeviren geschnupft. Ich glaube, mehr muss ich zum aktuellen Beziehungsdebakel mit meinem Nicht-Verlobten nicht mehr sagen. Soll der doch mit seiner Irene vor seinem Alpen-Chalet von einer Dachlawine verschluckt werden! Ehrlich!

Egal. Pünktlich um halb sieben stehe ich mit meinem selbstgemachten Tiramisu (die Doris hat mich gebeten eine Nachspeise mitzubringen und Tiramisu mit viel Rum ist alles, was ich kann) vor dem ökologisch einwandfreien Reihenhaus in bester Vorstadtlage von Doris und Waldemar. Beim Anblick des mit Liebe aus Salzteig gebastelten Türschilds: „Hier leben, lachen und lieben Doris, Waldemar und Eugen Marcell“ frage ich mich nochmal, warum ich mir das genau antue. Lange kann ich allerdings nicht überlegen, denn da hat das Bambuswindspiel über der Tür schon meine Ankunft mit einem meditativen „Plimplim“ angekündigt. Die Doris öffnet mir in ein wallendes Batiktuch gehüllt die Tür und bietet mir gleich ein paar selbstgefilzte Pantoffeln an „Keine Schuhe im Haus, Elsa, weißt eh, wegen der Energetik…“ Ähm, ja, weiß ich zwar nicht, aber ich schäle mich trotzdem aus meinen Stiefelchen, zwänge meine Füße in die energetisch einwandfreien Filzpantoffeln und bin im Stillen froh, dass ich nicht auch ein Batiktuch angeboten bekomme, weil mein schwarzes Paillettenkleid nicht Fengshui-tauglich ist oder was auch immer.

Während die Doris mein Tiramisu im Kühlschrank verstaut und mir ein Grander-Wasser („So belebend, Elsa, das musst probieren! Haben der Waldi und ich auch erst neulich für uns entdeckt!“) als Aperitif anbietet, bin ich ob der Ruhe und Stille im Rest vom Haus irritiert. „Der Waldi macht mit dem Eugen-Marcell gerade noch eine Klangschalenmeditation in der neuen Jurte“, zeigt die Doris in Richtung Garten, „magst vielleicht mitmachen?“  „Du danke!“ Ich habe mich zwar mental auf einen sehr alternativen Abend eingestellt, aber Klangschalen und Jurte, das ist mir zum Einstieg dann doch too much. Da nehme ich lieber ein Grander-Wasser. Ich schmecke übrigens keinen Unterschied zu normalem Wasser, aber ich werde mich hüten, das zu sagen, sind ja immerhin noch ein paar Stunden bis Mitternacht und die wollen friedlich verbracht werden.

Nach und nach trudeln die anderen Gäste ein. Es sind alles Pärchen aus Doris und Waldemars Bekanntenkreis. Circa 50% davon sind Pädagogen aus Montessori-Kinderkrippen und Waldorf-Schulen oder arbeiten bei NGOs. Die anderen 50% sind gerade mit Kind Nr. 3 oder 4 schwanger. 100% haben mir also eins voraus: Eine Begleitung für den Abend. Perfekt! Ich bin der/die/das einzige Single auf einer Silvesterparty voller veganer, laktoseintoleranter, Zero-Waste-Weltverbesserer, die mich in meinem Zalando-Kleidchen per se für den Anti-Christ halten.

Das sagt mir der Waldemar übrigens auch ohne Umwege genauso zur Begrüßung: „Elsa, du weißt schon, wie die Arbeiter bei diesen Versandhändlern ausgenutzt werden!?“ Das Tischgespräch kreist im Folgenden gefühlte zwei Stunden um Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie, die Konsumgesellschaft und die Globalisierung. Nach einer halben Stunde fühle ich mich so schuldig, dass ich die Doris gebeten habe, mir ein Batiktuch zu leihen. „Das hilft jetzt auch nichts mehr, Elsa, jetzt hast du mit deinem Konsumverhalten ja schon zum Weltuntergang beigetragen. Das kann man nicht durch einen Outfitwechsel wiedergutmachen.“, klärt mich der Waldemar oberlehrerhaft auf.

Es gibt übrigens Raclette. Das Raclette ist vegan und laktosefrei. Dass das irgendwie ein Widerspruch in sich ist, hat sich zu Doris und Waldemar noch nicht herumgesprochen. Wir grillen also in der bunten Runde Gemüse auf einer heißen Steinplatte. Der dazu gereichte Wein ist vegan und biodynamisch, zu allem Übel alkoholfrei und schmeckt auch so. Also, wenn man unter biodynamisch versteht, dass der Verzehr dieses Getränks eine gewisse Dynamik in den Verdauungsprozess bringt. Mir jedenfalls grummelt der Magen. Kann aber auch sein, dass das am laktosefreien Vegankäse liegt. Ich glaube, ich vertrage einfach nichts Laktosefreies. Ich weiß, manchmal bin ich ein Zeitgeist-Paradoxon. Ich vertrage alles, nur keine Unverträglichkeiten und bin damit bei Tisch die Einzige. Herwig und Gerlinde sind im Übrigen Frutarier. Sie haben sich ihre eigenen (freiwillig vom Baum gefallenen) Früchte mitgebracht und rümpfen selbst über Doris Bio-Gemüse und Tofu-Soja-Fleischersatz die Nase. Ich will lieber nicht darüber nachdenken, was die Tischgesellschaft zu meinem mit Liebe zubereiteten Tiramisu sagen wird, das theoretisch und auch praktisch aus allen Dingen besteht, die die versammelte Silvestergesellschaft nicht isst. Das fängt irgendwo bei Lactose und Zucker an und hört bei Gluten und Alkohol auf. Zumindest der Kakao, den ich drübergestreut habe, war Fairtrade (glaube ich), aber das wird’s auch nicht rausreißen.

Während des Essens unterhält man sich über biologisch einwandfreie Trittschalldämmung, Mietpreisbindung und das Ende des Kapitalismus. Ich habe zu all dem leider nichts zu sagen. Da fehlt mir einfach jegliche Empathie. Ein bisschen neidisch bin ich auf den Kindertisch. Dort werden gerade non-existente Grenzen ausgelotet, indem sich die Zwerge gegenseitig mit Kartoffelpürre beschmeißen. Ich möchte auf die Lebensmittelverschwendung hinweisen, beherrsche mich aber, weil ich jetzt keine Diskussion über antiautoritäre Erziehungsstile vom Zaun brechen will.

Bevor mein Tiramisu als Nachspeise kredenzt wird, wird angekündigt, dass wir Gesellschaftsspiele spielen. Was soll ich sagen, ich mag Gesellschaftsspiele. Pictionary, Activity, Tabu – ich bin Meister!

Update: Mein Team liegt bei Scharade zwanzig Punkte hinten. Und es ist meine Schuld. Aber stellen Sie mal Begriffe „Kolchose“ oder „Matriarchat“ pantomimisch dar, dann reden wir weiter!

Ich hätte ja insgeheim gehofft, dass der Verzehr meines Desserts, die Runde etwas lustiger macht. Allerdings haben sich die meisten Anwesenden dazu entschlossen, doch lieber von Herwig und Gerlindes mitgebrachten Dörrzwetschken zu naschen, als von meiner gehaltvollen Nachspeise. Nur der Eugen-Marcell hat in einem unbeobachteten Moment herzhaft mit seiner rechten Hand in mein Tiramisu gelangt und sich dann zum Verzehr unter dem Tisch versteckt. Was soll ich sagen? Die Kombination aus Zucker und Alkohol hat dem Kleinen gar nicht gutgetan. So zumindest ist meine Einschätzung der Lage, als er aufgedreht wie ein Pfitschipfeil von einem zum anderen Ende des Wohnzimmers rast, seine Kurvenlage ist dabei geprägt von leichten bis mittelschweren Gleichgewichtsstörungen. Schließlich ist er über einen der herumkullernden Sitzbälle gepurzelt und mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen eingeschlafen. Die Doris hat das friedlich schlafende Kind auf die erfolgreiche Klangschalenmeditation zurückgeführt und ich habe sie einfach mal in dem Glauben gelassen.

Kurz vor Mitternacht (das neue Jahr sollte mit meditativen Klangschalen anstatt der traditionellen Bummerin eingeläutet werden), versammeln wir uns alle in Waldemars Jurte und basteln dort Wunschlaternen, die zu Mitternacht anstelle eines ökologisch und überhaupt sonst auch bedenklichen Feuerwerks den Nachthimmel erleuchten sollen. Ich bin, was diesen Programmpunkt betrifft, gespalten. Einerseits muss ich zugeben, die Idee ist schön, andererseits habe ich so das Gefühl, dass erwartet wird, dass sich alle Anwesenden Weltfrieden wünschen. Was ich ja auch befürworte, verstehen Sie mich nicht falsch. Allerdings würde Weltfrieden bedeuten, dass ich auch mit Herrn Q, seiner Irene, Mr. Harmley und nicht zuletzt auch mir selber und meiner Vergangenheit Frieden schließen müsste.

Ich weiß ja nicht, wie sich Panikattacken normalerweise äußern, aber in dem Moment, in dem die Selbsterkenntnis daherkam, dass ich der Grund war, dass es zumindest an diesem Silvester keinen Weltfrieden geben konnte, war einer, der mich in Schweiß ausbrechen ließ, mir Schnappatmung verpasste und… ich aufwachte.

Silvester 2019/20 war nur ein Albtraum gewesen. Und eins können Sie mir glauben, ich werde dafür sorgen, dass das eigentliche Silvester anders aussieht. Auch wenn das heißt, dass ich laktosefreies Tiramisu kochen muss! Aber an mir soll’s diesmal nicht liegen, dass es keinen Weltfrieden gibt!

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